In der EU will niemand geklonte Tiere essen, der Verkauf von ihnen ist verboten. Doch das Fleisch ihrer Nachfahren ist schon auf den Markt gelangt.
Zu Lebzeiten haben sich nur wenige Menschen für Dundee Paratrooper interessiert. Der Bulle wurde letztes Jahr in Großbritannien geschlachtet, sein Fleisch wurde verkauft und gegessen - und nun beschäftigt sich die britische Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA mit ihm. Besonders die Herkunft des Bullen ist für die FSA von Bedeutung, denn unter seinen Vorfahren gibt es einen Klon, der in den USA hergestellt wurde.
Verbraucherschützer und Umweltverbände vermuteten schon lange, dass in der Europäischen Union das Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere in den Handel gelangt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Verbrauchern Produkte von geklonten Tieren unbemerkt untergeschoben werden, ist ziemlich groß", sagte Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech, als er vor kurzem eine von ihm erstellte Studie, zu dem Thema veröffentlichte. Doch es gibt nur wenige bestätige Belege -wie die im Fall Dundee Paratrooper.
Es ist noch unklar, ob auch Milch von Nachkommen geklonter Rinder in Großbritannien in den Handel gelangt ist. Die FSA hatte -auf einen entsprechenden anonymen Hinweis hin- mit ihren Nachforschungen begonnen, und stießen dabei nur eher zufällig auf Dundee Paratrooper, sowie einen weiteren Bullen, der ebenfalls einen Klon zu seinen Vorfahren zählt. Dieser wurde erst vor wenigen Tagen in Großbritannien geschlachtet.
Sein Fleisch jedoch wird nicht mehr in den Handel kommen. Laut einem Zeitungsbericht wurden in Großbritannien bereits in den vergangenen 4 Jahren mehr als 100 solcher Rinder gezüchtet, welche die gleiche Entstehungsgeschichte wie die beiden Bullen haben. Wenn diese Angaben Stimmen, dann haben die britischen Verbraucher wahrscheinlich schon früher unbemerkt Fleisch von den Nachkommen geklonter Tiere -dieses Fleisch wird auch oft "Klonfleisch" genannt- verzehrt.
Diese Bezeichnung ist zwar griffig, aber falsch. Denn nichts an Dundee Paratrooper ist geklont, denn er wurde auf die übliche Weise gezeugt, er hat eine leibliche Mutter und einen Vater, deren Genome sich beide von seinen eigenen unterscheiden. Das Gleiche gilt für die Eltern des Bullen.
Erst in der Großeltern-Generation kommt die Klontechnik ins Spiel. Meist bedient man sich der so genannten Zellkern-Transplantation. Dazu wird einem Tier eine Hautzelle entnommen, deren Zellkern wird isoliert, und dieser wird in die entkernte Eizelle einer anderen Kuh gesetzt. Den so geschaffenen Embryo pflanzt man entweder sofort einer Leihmutter ein, die ihn austrägt, oder man friert den Embryo ein, um ihn zu verschicken - beispielsweise aus den USA nach Großbritannien. Nach eigenen Angaben weiß die FSA selbst nicht, wie oft dies in den vergangenen Jahren geschehen ist.
Die Milch geklonter Rinder und das Fleisch ihrer Nachkommen darf in den USA seit zwei Jahren ohne besondere Kennzeichnung verkauft werden. In der Europäischen Union gibt es noch keine endgültige Entscheidung.
Die Mitgliedsstaaten hatten im zwar vergangen Jahr beschlossen den Verkauf derartiger Produkte zu erlauben, weil die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) keine Sicherheitsbedenken gehabt hatte, doch das EU-Parlament sprach sich allerdings vor einem Monat dafür aus, die Milch geklonter Tiere, und das Fleisch ihrer Nachkommen zu verbieten. Das heißt, dass weder in der EU, noch in den USA das Fleisch geklonter Tiere selbst verkauft werden darf.
Es wäre auch ein sehr teures Steak. Denn ein Rind zu klonen, kostet bis zu 20.000 Dollar. Wer Rinder klont, will kein exotisches Essen schaffen, sondern das Erbgut von Hochleistungstieren erhalten, entweder für die Landwirtschaft, oder, wie kürzlich in Spanien geschehen, für den Stierkampf.
Für die Landwirtschaft kann ein guter Zuchtbulle bis zu einer halben Million Euro einbringen. Vor allem in Südamerika, den USA, Japan und Korea ist das Klonen von Rindern mittlerweile nahezu Routine.
Niemand weiß, wie viele es überhaupt von den geklonten Nutztieren gibt, da sie in keinem Register erfasst sind. Vor drei Jahren schätzte die Efsa die Zahl der geklonten Tiere innerhalb der EU auf etwa 100, weltweit knapp 4000. Außer Rindern werden auch -allerdings in geringerem Umfang- Schweine geklont.
Verbraucherschützer wie die Organisation Foodwatch und Umweltschutzverbände kritisieren das Klonen von Nutzvieh vor allem aus ethischen Gründen, und auch das EU-Parlament hat sein ablehnendes Votum mit dem Tierschutz gegründet.
Die geklonten Tiere sind häufiger missgebildet als andere, in vielen Fällen arbeiten ihre Organe nicht richtig, und sie sterben oft in jungen Jahren. Es sei außerdem unnötig, Rinder zu klonen, argumentierte Foodwatch, denn den steigenden Fleischbedarf helfe die Technik nicht zu befriedigen. Die EU-Bürger sehen dies ähnlich. In Umfragen spricht sich immer wieder die Mehrheit dafür aus, den Verkauf von Produkten geklonter Tiere zu verbieten.
Quelle



Kommentar schreiben
Artikel bewerten