Florida. Vor den Augen entsetzter Zuschauer tötete in Florida der Orca "Tilikum" seine Trainerin. Kritiker sagen, die Langeweile in der Gefangenschaft mache die Tiere zu Killern. Mitleid ist Raubtieren wie "Tilikum" fremd. Selbst wenn sie noch so lustig oder menschlich daherkommen: Sie leben vom Töten.
Seit vergangenem Mittwoch werden Orcas, auch Schwertwale genannt, weltweit wieder bevorzugt mit ihrem Drittnamen bezeichnet: „Killerwal“. Tilikum, den man vor 30 Jahren bei Island einfing, hat einen Menschen getötet: die Wal-Trainerin Dawn Brancheau, die in dem Becken von SeaWorld in Orlando Kunststücke und halsbrecherische Spielchen mit ihren Walen machte, seit vielen Jahren, auch sehr routiniert. Allerdings: Tilikum hatte zuvor bereits zweimal Menschen getötet. 1991 ebenfalls einen Trainer und 1999 einen Mann, der sich nachts auf das Gelände der Wal-Show geschlichen hatte. Beide Male waren die Opfer ins Wasser gefallen. War dies jedes Mal der Schlüsselreiz, der den Orca in den „Killerwal“ verwandelte? Der bei Tilikum, den man stets hungrig ins Becken schickte, den Beutetrieb weckte, wie bei seinen Artgenossen draußen im Ozean, wenn sie Jagd auf Seebären, Delfine oder sogar andere Wale machen?
Die Polizei von Orlando sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, auch Dawn Brancheau sei ins Wasser gefallen. Doch die Augenzeugen nannten durchweg eine andere Version: Die Trainerin habe am Beckenrand gekniet und den Kopf des Orcas liebkost, als das fünfeinhalb Tonnen schwere Tier sie plötzlich an ihrem Pferdeschwanz ins Wasser zog, sie ins Maul nahm, schüttelte und schließlich längere Zeit unter Wasser drückte. Einen Schock erlitten die SeaWorld-Besucher, die im Untergeschoss durch ein Fenster in der Beckenwand das Geschehen in der Tiefe beobachten mussten.
Nicht hineingefallen, sondern ins Wasser gezerrt. Handelte es sich also um einen bewussten Tötungswillen bei Tilikum? Weltweit melden sich nun jene Tierschutzgruppen zu Wort, die seit vielen Jahren die Haltung von Meeressäugern zu Showzwecken bekämpfen, die fordern, alle Delfinarien zu schließen, weil die Haltung der gewaltigen Tiere, zur Freiheit in allen Ozeanen geboren, grausam sei. Und die sich durch solche Vorfälle bestätigt sehen. Der Geschäftsführer der Wal- und Delfinschutz-Gesellschaft (WDCS), Nicolas Entrup, sagt: „Orcawale sind keine Killer. Erst die Freizeitindustrie macht sie dazu.“ Die Langeweile treibe sie zum Töten.
In der Tat fiele es schwer, die Tierhaltung in Delfinarien oder Wal-Shows als artgerecht zu bezeichnen. Die Becken sind viel zu klein für die Tiere von einer Länge bis zu acht Metern. Sie unterscheiden sich von den Freigehegen, mit denen die Zoologischen Gärten gegenseitig darum wetteifern, die Reviere in freier Wildbahn nachzuempfinden, wie ein mittelalterliches Burgverlies vom heutigen offenen Vollzug. Und den Meeressäugern, die – wie die Wale – in viele Hundert, auch mal tausend Meter abtauchen, fehlt nicht nur die Weite, sondern auch die Tiefe, einfach auch mal andere Druckverhältnisse.
Quelle: welt.de





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