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    1. #1
      Elchbine
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      Kein Status
       
      Ich bin:
      Keine Stimmung
       

      Natursprung oder Besamung?

      Natursprung oder Besamung?


      Ich weiß, dass sich die Geister hier scheiden und die Natursprungverfechter den „Sex aus der Konserve“ ablehnen, während die Befürworter der Hygiene sich schütteln bei dem Gedanken, dass ihre Stute mit Viren und Bakterien konfrontiert werden soll, um tragend zu werden, aber trotzdem ist dieser Entscheid mit einer der ersten, die ein Züchter treffen muss, bevor er überhaupt die Hochglanzkataloge mit den potentiellen Schwiegersöhnen bestellt und durchblättert, um nach dem passenden Vererber zu suchen.

      Ganz gewiss muss es nicht die erste Frage überhaupt sein, denn wichtig bei der Auswahl ist sicher auch, dass der Hengst idealer Weise für den Verband zugelassen sein sollte, von dem das Fohlen den Brand bekommen soll und in dem der Züchter Mitglied ist und dort seine Stute eintragen lassen hat, denn ansonsten muss er entweder die Stute umtragen oder – wenn das möglich ist und vom Verband angeboten wird – einen Antrag auf Einzeldeckgenehmigung stellen, was aber in der Regel mit rund 100 bis 150 Euro an Extrakosten auf die Fohlenbrenngebühr, welche rund 60 Euro kostet aufgerechnet wird.

      Womit ich zu einer weiteren Frage komme, die mit zu den ersten gehört, auch wenn ich die Stutenbesitzer schon Schelte über mich bringen höre, wenn ich das nun schreibe, weil natürlich die meisten Züchter nur ungern zugeben, dass sie bei der Frage, ob der für die Stute beste Hengst auch der Teuerste sein darf oder ob, wenn der Zweitbeste oder Drittbeste deutlich erschwinglicher zu bekommen ist, sie hier nicht doch bereit sind, ein paar Abstriche bezüglich der Qualität des Hengstes zu machen – aber züchten ist eben auch ein wirtschaftlicher und finanzieller Aspekt und auch wenn die heheren Gedanken vom Zuchtfortschritt immer an erster Stelle stehen, so ist das Konto eben nicht immer in dem Maß flexibel belastbar, wie das der Zuchtfortschritt erfordern würde und ein bisschen Kompromissbereitschaft ist da manchmal nicht verkehrt – zumal der teuerste ja nicht zwingend der beste Hengst für die Stute sein muss.

      Aber kommen wir zurück zum Entscheid, ob Natursprung oder Besamung.
      Wenn also nun der ausgesuchte Hengst vom Pedigree zur Stute passt, die Decktaxe den Finanzrahmen, den man sich steckte nicht sprengt und er auch noch für den Verband zugelassen wurde, in dem man zahlendes Mitglied und Züchter ist, aber der auserwählte Mr. Right in Bayern steht und nur im Natursprung deckt, die Stute aber in Kiel zuhause ist, dann muss man als Züchter entweder bereit sein, die Reise mit der Stute über rund 800 Kilometer oder mehr anzutreten, die man dann vielleicht noch einmal in beide Richtungen wiederholt, wenn die Stute dann doch nicht tragend blieb oder man ist in der Hengstauswahl flexibel und disponiert auf einen Pferdejungen um, der entweder besser erreichbar ist oder der in der künstlichen Besamung deckt und dessen Samen im Spermaversand zur Stute kommt.
      All das hätte man sich aber erspart, wenn man gleich geschaut hätte, welcher der Vererber entweder in der Nähe steht oder sich für einen entschieden hätte, der in der künstlichen Besamung steht.

      Also ist meine Behauptung, dass der Entscheid: Natursprung oder künstliche Besamung, zu einer der ersten Fragen gehören wird, welche der Züchter sich stellen muss, doch nicht so falsch und auch wenn sich mancher Züchter empört, wenn ich behaupte, dass es zwar sicher eine große Rolle für die Auswahl des Hengstes spielt, ob er zur Stute passt, aber man den scheinbar Besten dann vermutlich doch nicht nutzt, wenn er nahezu unerreichbar weit weg steht und die Stute womöglich noch ein Fohlen bei Fuß führt, dass dann ebenfalls eine schier unendlich weite Reise im Anhänger zurücklegen muss möchte ich die dreiste Frage stellen, ob es da nicht genügend Hengste gibt, die auch bequemer zu erreichen sind oder per Versand zur Verfügung stehen? Ich behaupte: „Ja!“

      Damit ist der erste Vorteil der Besamung, der natürlich ins Auge sticht ganz sicher der, dass die Stute den Stall nicht wechseln muss, d.h. keine Futterumstellung, kein aus dem Herdenverband entfernen um sie vier Tage wieder mühsam zu integrieren und mit Verletzungen rechen zu müssen, weil sich die Rangordnung wieder neu herstellen muss, kein Verladestress und auch keine fremden Menschen, die mit dem eigenen Pferd ganz anders umgehen, als man selbst es tut.


      Natürlich möchte ich hier nicht in die Kiste der Horrorgeschichten greifen, um die Befürworter des Natursprungs zu missionieren, aber das muss ich gar nicht, denn solche Erlebnisse werden mir meist von den Deckkunden berichtet, die als überzeugter Natursprungverfechter zur Besamung wechseln, weil sie schlechte Erfahrungen machten.

      Zum Standart gehören dabei sicher Koliken im fremden Stall durch ungewohntes Futter oder Deckverletzungen oder Infektionen, wobei man als Stutenbesitzer schlussendlich dann schon froh ist, wenn es trotzdem gut ausgeht, auch wenn die eigentlich vermeidbaren Tierarztkosten das Budget belasten, aber der Gedanke, das eigene Pferd für eine Weile in die Obhut mir unbekannter Leute zu geben, die es versorgen und von denen man nicht wissen kann, wie sie mit dem Pferd umgehen, wenn man nicht dabei ist, bereitet dem besorgten Züchter oft Kopfzerbrechen. Dabei muss es auch gar nicht sein, dass der Hengsthalter oder sein Personal das Pferd schlecht behandeln, aber eben sicher anders, als der Besitzer das tut.


      Ganz sicher ist schon diese Veränderung im Leben der Stute eine nicht stressfreie Belastung, aber dazu kommt gerade bei Maidenstuten, dass es durchaus sein kann, dass sie sich vor dem Hengst fürchten und sich nicht decken lassen wollen.

      Ich verstehe auch durchaus, dass kein Hengsthalter das Risiko eingehen will, dass die Stute sich wehrt und dem Hengst ins Familienglück tritt, aber ich selbst empfinde beim Anblick von gefesselten Stuten, die sich kaum rühren können, deren Atmung behindert wird, von einer Nasenbremse, welche die Nüstern zusammenquetscht und die dann wehrlos einem Hengst ausgeliefert sind, der sich keinesfalls wie ein Gentleman benimmt, sondern von hinten wild trompetend anrollt und nicht lange fackelt, sondern gleich zur Sache kommt, ein Gefühl von Vergewaltigung.

      Die Illusion vom Natursprung, bei dem der Hengst die ungefesselte Stute auf der Weide zärtlich beknabbert und wartet, bis sie soweit ist, erfüllt sich im Prinzip leider sehr selten und den Damen, die mit dem Argument punkten wollen, dass „die Stute doch wenigstens wissen soll, warum sie tragend ist“ oder die „der Stute auch ein bisschen Spaß gönnen wollen“, möchte ich raten, einmal dabei zu sein, wenn gedeckt wird, denn das raubt einem dann sicher das Gefühl der Romantik.

      Ich persönlich glaube auch nicht, dass unsere Pferdemädchen gesteigerten Wert darauf legen, dass ihnen ein Hengst ins Kreuz springt, um schwanger zu werden, denn die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 100 % Trächtigkeit bedeuten, dass die Stuten auch sehr gut auf den „hautnahen Kontakt zum Pferdejungen“ verzichten können.

      Aber was sie sicher toll finden, ist das Möhrchen, das sie zur Belohnung bekommen, wenn der Samen inseminiert wurde. Bei meinen Stuten mache ich das auf der Weide: Halfter drauf, kuscheln, Schweif zur Seite, Samen rein und fertig. Kein Stress, keine Panik, denn alle Freundinnen sind da und zu essen gibt es neben dem Lob auch noch was extra.
      In der Sendung mit der Maus würde nun gesagt: Klingt einfach – ist es auch.

      Und es ist tatsächlich einfach, denn zuerst wird der Schambereich der Stute gesäubert, um keine Kolibakterien von eventuell über die Scheide gerutschten Kot bei der Besamung mit in die Stute zu schleppen. Dann werden die Samenportionen in Einwegspritzen aufgezogen. Anschließend verhülle ich meinen Arm, den ich zur Besamung nutze, mit einem langen Besamungshandschuh, dessen Außenseite ich vor dem hineinschlüpfen nach innen drehe, um so eine möglichst geringe Keimbelastung für die Stute sicher zu stellen, weil die Innenseite der Handschuhe von Verunreinigungen geschützt in der Verpackung lagern. So gerüstet portioniere ich etwas Gleitgel aus dem Spender auf meinen Handrücken, nehme die Inseminationspipette, die aussieht wie ein langer Strohhalm, nur dass sie fester ist und aus einer Art Plexiglas in die Hand, schütze die vordere Öffnung mit dem Zeigefinger, um die zarte Schleimhaut des Scheideninnenhofes nicht zu verletzen und führe dann den Arm in die Scheide der Stute ein.

      Nun ist es wichtig zu wissen, dass das Rind ein Scheidenbesamer ist im Gegensatz zum Pferd, welches ein Uterusbesamer ist – was bedeutet, dass es nicht reicht, nur durch die Schamlippen bis zur Vagina zu gleiten, um dort den Samen zu deponieren, sondern nun ist es wichtig, mit dem Zeigefinger die Zervix, also den Muttermund zu finden und das Inseminationsröhrchen hindurchzuführen. Erst jetzt setzte ich die Einwegspritze am freien Ende der Pipette an und drücke die Flüssigkeit direkt in den Uterus. Sinnvoll ist es, nun noch ein wenig Luft hinterher zudrücken oder zu blasen, damit auch das noch in der Inseminette befindliche Ejakulat seinen Weg in die Gebärmutter findet. Wenn man weiß, auf welcher Seite das Follikel, also die Eiblase befindet, in der das Ei heranreift, bis das Follikel platzt und es freigibt, dann kann man auch den Samen in diese Richtung schicken, damit er auch in den richtigen Eileiter findet. Ist die Samenportion in der Stute, ziehe ich, die vordere Öffnung wieder mit dem Zeigefinger schützend, den Arm langsam aus der Stute.
      Wie ich schon schrieb, darf ich meinen eigenen Stuten in der Beziehung vertrauen, dass sie mich nicht während einer Besamung treten, aber Fremdstuten, die ich nicht kenne, stellen wir in den Besamungsständer und halten ihnen eine Schale Futter vor die Nase und bei Maidenstuten eine erfahrene Stute neben dran. Dann gibt es vorne Futter und hinten Samen rein. Begleitet wird das ganze von Streicheln und Zuspruch und wenn es denn sein soll, wiehere ich ihr auch gerne noch ins Öhrchen.


      Den Stutenständer kennen aber die meisten Stuten sowieso von der Follikelkontrolle des TA und die Tupferprobe ist beim Natursprung sowieso Pflicht. Also alles nix neues.

      Ich behaupte nicht, dass es auf allen Besamungsstationen so „familiär“ beim Besamen zugeht und so möchte ich zwar auch kein Misstrauen schüren, aber vermutlich würde ich persönlich die Kontrolle dem Vertrauen vorziehen und dabei sein wollen, bevor unter abenteuerlichen Bedingungen Dinge mit meiner Stute geschehen, die ich vermutlich dann nie oder nur mit Hilfe eines Gerichtes geklärt werden, denn wenn man einmal sah, wie eine Stute gefesselt und geknebelt vor einer Wand angebunden wurde, um einen Helfer zu sparen und der Hengst das Pferdemädchen im Ansturm umwarf, dann ist man froh, dass es nicht die eigene Stute war und ist, die sich bei der Aktion fast das Genick brach.
      Genauso wichtig wie die Tupferprobe der eigenen Stute scheint mir, dass ich sicher sein kann, dass der Hengst auf keine Stute gelassen wird, die nicht ebenfalls eine aktuelle Untersuchung vorweisen kann, denn eine durch Decksprung übertragene Krankheit ist mühsam zu behandeln und kann zur Unfruchtbarkeit führen.

    2. #2
      Kein Status
       
      Ich bin:
      Keine Stimmung
       

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      Ich hatte auch schon den Gedanken meine Stute decken zu lassen. Das war vor 3 Jahren. Da meine Stute schon mal ein Fohlen hatte wäre das auch kein Problem gewesen. Damals kam auch das Gespräch ob Besamen oder Natursprung. Generell bin ich immer für die Natur. Im Falle meiner Stute hätte ich mich aber für die andere Variante entschieden. Und das hat einen Hintergrund. Meine Stute stand früher in einer großen Mischherde. Bis sie von einem großen Wallach (in den sie augenscheinlich verliebt war) während ihrer Rosse mehrere Male besprungen wurde. Danach war meine Stute für ein halbes Jahr ausgenockt. Und das würde ich nicht noch mal riskieren.

      Jeder Stutenbesitzer, ob Züchter oder nicht, muss das ganz alleine für sich entscheiden ob er auf eine Besamungsstation geht, die Besamung durch den TA machen lässt oder den Natursprung wählt.

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