Gedanken zur Hengstleistungsprüfung
Nachdem im Jahr 2006 von sechs Trakehnerhengsten nun fünf (Chabrol von Alter Fritz/ Santiago 72.92, Gondoliero von Prae Vento/ Saros xx 80,34, Immenhof von Latimer/ Hohenstein 72.84, Krönungswalzer von Titelheld/ Tuareg 87.12, Godot von Freudenfest/ Camelot 65.89) durch den 70 Tage-Test in Neustadt/ Dosse, welcher vom 02.02. – 12.04.2006 statt fand fielen, nachdem sie unter den vom Verband zum Verbleib im Hengstbuch I geforderten 90 Punkten blieben und nur Ovaro von Hohenstein/ Kostolany das Klassenziel mit 115,91 Punkten erreichte, stimmt mich das nachdenklich.
Woran lag es?
Kommt die Prüfung für spätreife Pferde einfach zu früh?
Sind die Anforderungen zu hoch? Ist das System als Prüfung zur Zuchtzulassung in seiner Bedeutung zweifelhaft?
Oder fehlt es den gekörten Hengsten in der Trakehnerzucht einfach an genügend Sportlichkeit, Rittigkeit, Leistungsbereitschaft und Vermögen, sodass sich der Vorwurf, dass Trakehner nur schön, aber als Leistungspferd nicht zu gebrauchen sind, als zutreffend erweist?
Allerdings stammten aber gerade diese zur Prüfung geschickten Hengste aus erfolgsverwöhnten Anpaarungen oder auch von sporterfolgreichen Eltern, die zu großen Hoffnungen berechtigten.
Nun hat man den ehemaligen 100 Tage-Test längst auf 70 Tage reduziert und parallel dazu die Möglichkeit geschaffen, einen 30 Tage Veranlagungstest mit der Qualifikation zum Bundeschampionat in Warendorf verknüpft als HLP dem 70 Tage Test gleich zu setzen, also als Fahrkarte zum Einsatz als Vererber. Dazu befragt, ob auch die 30 Tage eigentlich notwendig sind, antwortete Herr Schockemöhle, dass er sich innerhalb von 5 Minuten entscheidet, ob er ein Pferd kauft oder nicht und er auch für die Beurteilung eines Hengstes nicht länger braucht.
Natürlich haben auch Pferde mal einen schlechten Tag und so halte ich die Beurteilung der Rittigkeit an einem Tag für sehr gewagt. Allein der Transport und die Prüfungsatmosphäre sind Stress für ein junges Pferd, die nicht alle so problemlos wegstecken, um dass man den weiteren Weg des Hengstes davon abhängig machen sollte.
Turnierprüfungen, halte ich auch für wenig aussagekräftig, denn zum einen gibt es hier ein Nord-Süd-Gefälle, was die Leistungen der Konkurrenz anbetrifft, denn wer einmal im Oldenburger Münsterland gegen Deutschlands Zuchthoffnungen antreten musste, der weiß wovon ich spreche, und zum anderen ist auch hier die Gefahr, dass der Hengst unter dem Beritt des Lokalmatadors oder aus dem Besitz einer namhaften Station im Vorteil ist. Ich möchte mich auf keinen Fall von einem griesgrämigen Richter abhängig machen, dem der Brand meines Hengstes oder meine Nase nicht passt und sein Urteil als Grundlage für die Zuchtzulassung meines Hengstes zur Grundlage machen.
Auch die Vorbereitung und der Umgang mit dem Hengst kann auf die Leistungsbereitschaft Einfluss nehmen und nicht zuletzt weiß jeder Reiter, dass man den Schritt eines Pferdes schnell wegreiten kann oder der Trab ausdrucksvoller wird, wenn der Reiter das Pferd zu fördern vermag. Ein Hengst, dem man beim Springen ins Kreuz fällt oder im Maul zieht, wird vermutlich weniger freudig zum Sprung galoppieren und eventuell auch springsauer werden, wie derjenige, dem ein einfühlsamer Reiter den Spaß an der Arbeit erhält.
Der Vorschlag einer Züchterin, den Hengst über ein halbes Jahr in monatlichen Abständen einer Prüfungskommission vorzustellen, scheitert vermutlich an den Verwaltungskosten, obwohl es verlockend wäre, sein Pferd nicht mehr aus der Hand geben zu müssen, aber trotzdem klingt das ein bisschen nach Aldous Huxleys „Schöner, neuer Welt“ und auch dabei wären Ungerechtigkeiten nicht auszuschließen.
Wenn ich mir vorstelle, dass es doch viele Hengstaufzüchter gibt, die es weder mit den Geländesprüngen, noch mit dem Parcoursreiten haben - also solche Viereckakrobaten wie mich - dann wird da ein teurer Spaß. Hier zahlt man durchschnittlich 500 Euro für einen Berittplatz im Monat, das entspricht Kosten von 3000 Euro und dazu noch der Besuch der Kommission - 2 x im Monat, also 12 x Besuch - das wird richtig teuer. Wir haben zwei Kontrollen im Jahr, bei der ein Vertreter der Landwirtschaftskammer und der Amtstierarzt auftauchen und dafür bezahlen wir jedes Mal 250 Euro ... na ja und dann ist mein Pferd gleich ein halbes Jahr weg und wie es ihm dort geht, weiß ich auch nicht. Damit kommt der Vorschlag schlussendlich für den Hengsthalter, der nicht selbst in allen Sätteln zuhause, und auf Profihilfe angewiesen ist, eigentlich noch teurer und aufs Gleiche raus , wie der 70 Tage-Test, nur eben ein halbes Jahr lang. Bei dieser HLP werden die Pferde einerseits 68 Tage lang von den Bereitern geritten und beurteilt und an zwei Tagen ist die Prüfung und dann sitzen beim Springen und in der Dressur jeweils noch drei Fremdreiter drauf, die auch noch ein Urteil abgeben. Das ganze, dann inclusive dem Freispringen findet an den Prüfungstagen vor der Kommission statt. Also ganz groß ist der Unterschied also damit auch nicht zu dem Vorschlag.
Also doch das System des 70 Tage Tests, als fairste Beurteilung eines Hengstes zur Zuchtzulassung?
Wobei ich zu bedenken gebe, dass das Problem der Leistungsprüfung auch ist, dass es mit der Indexierung zu nicht für jeden Züchter nachvollziehbaren Ergebnissen führen kann. Der Index, bei dem die Leistung der besten und schlechtesten Hengste mit in das Prüfungsergebnis einfließen, nimmt dem Ergebnis die Transparenz.
So kann es dadurch passieren, dass ein Hengst mit 120 Punkten gewinnt und vielleicht in einem besseren Lot mal gerade 100 Punkte geschafft hätte, während ein anderer durch die Prüfung fällt, der an einem anderen Prüfungsort ebenfalls 100 Punkte bekommen hätte. Eine 8 ist nicht immer eine 8, denn wenn nur Hengste in der Prüfung sind, die sich im Durchschnitt bei 7 bewegen, dann ist ein Hengst, der mit einer 8 bewertet wird, schon mal weit vorne. Ist der Qualitätsstatus sehr hoch und die 8 eine Note, die fast alle erreichen können, dann fällt der Hengst mit der 7,5 sogar durch die Prüfung und der Hengst mit der 8 schafft das Klassenziel mal so eben und zum Siegen braucht er eine 9. Wenn also z.B. ein Hengst mit einer 8 im Trab, einer 7 im Galopp, einer 7 im Galopp und einer 6 im Freispringen bewertet wird, so ergibt das nicht die Endnote keinesfalls eine 7, wie man das annehmen könnte, wenn man die Einzelnoten zusammenzählt und durch die 4 Prüfungsfächer teilt, sondern es kann bei einem starken Jahrgang durchaus ein Durchfallkandidat mit der Note 5,5 werden oder eben der Siegerhengst mit einer 8,5. Ein kompliziertes System und für mich auch nicht immer nach zu vollziehen, aber eine wirklich gerechte Form der Prüfung, wo bundesweit ein Vergleich möglich ist, wird es wohl nicht geben.
Aber wenn ein Hengst die HLP im zweiten Anlauf auch nicht schafft, dann würde ich ihn vermutlich auch nicht mehr zum Decken nehmen. Schließlich soll die HLP (über Sinn und Unsinn der Prüfung will ich hier nicht streiten) doch für alle HB1-Hengste eben dieser Test die letzte Stufe zur Zuchtzulassung sein und wenn die eben - auch wenn nur knapp- verpasst wird, dann wird der Hengst eben aus dem Zuchtbuch gestrichen oder die HLP ist für keinen Hengst mehr vorgeschrieben und dann ist das auch o.k.
Ich habe verstanden, dass man beim Alten Fritz die Prüfung als bestanden gelten ließ, obwohl er unter 90 Punkten blieb, aber im Teilindex Rittigkeit über 120 Punkte erreichte - er ist wohl kein Springpferd. Ich selbst mag diesen Hengst, besonders weil er in zahlreichen Schaubildern nicht nur Rittigkeit demonstrierte, sondern auch Charakterstärke und eiserne Nerven. Umso mehr enttäuschte mich, dass nun auch sein Sohn Chabrol keine 90 Punkte schaffte, denn er rauschte mit 72 Punkten durch die HLP - im Springen zwar besser als sein Papa, aber in der Dressur nicht annähernd so hoch bewertet ...
Wohin führen also Ausnahmeregelungen?
Ich sehe ein, dass man die Rittigkeit eines Hengstes als bewiesen sehen möchte, bevor man ihn nutzt. Nur wage ich nun einzuwenden, dass wir jahrelang die Möglichkeit hatten, Hengste erst fünfjährig zur Prüfung zu schicken und trotzdem nach dem Körsegen die einstweilige Zuchtzulassung hatten. Eine Stutenbegrenzung gab es nur für die Besamungshengste, denen 200 Stuten bis zur HLP zugestanden wurden. War die Zucht dadurch schlechter?. Sicher ist es nicht so schön, wenn man ein Fohlen hat, dessen Vater nun Wallach ist - aber das ist das Risiko, wenn man einen Junghengst wählt - Top oder Flop.
Nun dürfen die Dreijährigen nach der Körung wieder decken und müssen "erst" vierjährig vor Beginn der Decksaison geprüft sein. Ist das nicht auch zu früh?
Eine Regelung, die an die frühere anknüpft, aber eine Stutenbegrenzung auf 10 Stuten vorsieht, lässt dem Hengsthalter mehr Handlungsspielraum, ohne dass man Sorge um eine zu große Population von Fohlen hat, deren Papa aus der Zucht genommen wurde, weil der die Prüfung dann doch nicht schaffte. Gleichzeitig können aber Aussagen zur Zuchteignung des Hengstes gemacht werden, weil es Fohlen von ihm gibt. Und er verliert keine wertvollen Jahre, in denen er sich als Vatertier mit seiner Nachzucht profilieren kann.
Ich persönlich denke jedoch eigentlich, dass man sich die ganze HLP schenken sollte und das System der Prüfung auf die Zuchtbasis umstellen sollte. Sicher ist es wichtig, dass ein Hengst auch rittig ist und seine vielseitige Veranlagung unter Beweis stellt, aber Ihr könnt es mir glauben oder nicht - bei dem Gemauschel, was in der HLP abläuft, da wird doch nicht wirklich eine Aussage zum Hengst getroffen, die dem Züchter bei seiner Entscheidung hilft, denn entscheidender als die Qualität des Hengstes ist doch die Nase oder das Portemonnaie des Besitzers. Mein Beweis dafür, ist z.B. Grannus, der gerade mal noch eben so mit 86 Punkten als 58. von 66 Teilnehmern die Prüfung bestand und zum Stempelhengst der Zucht wurde - wer spricht da heute noch vom Sieger der damaligen Prüfung?
Der HLP-Sieger und Landbeschäler Schöning z.B. landete in der Deutschen Reitschule, nachdem er züchterisch keine Welten bewegen konnte und ebenso verlief die Karriere des HLP-Siegers Partner. Der HLP-Sieger Dorian wurde sogar abgekört, nachdem er so mittelmäßige Nachzucht brachte, dass die Zuchtleitung den weiteren Einsatz des Hengstes nicht mehr befürworten wollte! Nur wenigen Hengsten, wie Grosso Z oder Caprimond ist es gelungen, nach dem Sieg in der HLP auch ein Vererber zu sein, der dem Siegertitel entspricht. Wobei sich die Nachkommen von Grosso auch nicht immer für den „Ottonormalreiter“ empfehlen, denn auch wenn ihre Leistungsbereitschaft und ihr Vermögen unbestritten sind, und das sogar im Viereck - Goethe ist bis in die höchsten Klassen erfolgreich - und im Parcours wo Goldfever und Co. Ruhm und Ehr ernten, so sind es doch oftmals Pferde, für die man eine „Bedienungsanleitung“ braucht.
Und das bringt mich dann doch wieder auf die HLP als Zuchtleistungsprüfung, bei der eben nicht der Hengst selbst die Eigenleistung erbringen muss, sondern die Nachkommen. Sicher hat auch so ein System Haken, denn es ist natürlich auch eine Frage der Qualität der Stutenbasis auf die ein Hengst trifft und wie der Nachwuchs dann gefördert wird. Unser Abenteuer z.B. hatte in den ersten Deckjahren gerade mal vier Nachkommen. Aber davon sind zwei in Dressurprüfungen der Klasse L erfolgreich und sammelten 2005 über 500 Euro Gewinngelder. Das spricht eigentlich für den Hengst, dessen Nachkommen von Amateuren erfolgreich geritten werden können, denen es um den Spaß mit ihrem Pferd gehr und nicht um eine Olympiateilnahme. Und wenn dagegen natürlich ein Weltmeyer im Vergleich steht, dann hat der sicher die besseren Möglichkeiten, was die Stuten, die Bedeckungszahlen und die Förderung der Nachkommen anbetrifft, obwohl man eben auch weiß, dass die Schwebetritte seiner Nachkommen, mit denen sie die Hallenlichter austreten, auch nicht von jedem Reiter als angenehm empfunden werden und selbst der Herr Schaudt seinen Weltall nicht immer so unter Kontrolle hat, wie man sich das im Viereck wünschen würde. Die Weltmeyers liegen eben zwischen Genie und Wahnsinn.
Aber wie will man nun werten, denn ich persönlich brauche kein Fohlen, was die Sterne vom Himmel holt, aber auf Schwung und Takt lege ich ebenso viel Wert, wie auf einen klaren Kopf und Rittigkeit.
Meine Idee geht also dahin, dass man einem jungen Hengst 10 Stuten bewilligt. Die Nachzucht des ersten Jahres sollte dann zentral bewertet werden - da ist schon der erste Kasus Knacktus, weil die nicht alle gleich alt sind und einer vielleicht in Kiel geboren wird und der andere in München - ohne dass aber die Kommission den Züchter oder Besitzer, oder die Abstammung der Stute kennt. Das setzt natürlich voraus, dass alle 10 Stuten mitbewertet werden und alle vom gleichen Vorführer vorgestellt werden ... gut, sagen wir mal, von gleicher Massen fähigen Vorführern. So und nun muss die Kommission bewerten, ob der Hengst die Stute verbessert hat oder verschlechtert. Ach ja, der Hengst bleibt natürlich auch inkognito, denn schließlich würden die Herren Richter vielleicht sagen, dass ein Hengst mit so viel Vorschußlorbeeren an der Körung und einem so bekannten und einflussreichen Besitzer ja nur verbessern kann ... und wenn nicht, ja dann war halt die Stute schuld!
Abgesehen von dem Spaß, den so eine Veranstalter dem Zuschauer machen würde (ich sehe schon die feixenden Gesichter der Züchter, wenn man die Nachzucht des Siegerhengstes von namhaften Stationen in Grund und Boden stampft und irgendein reeller aber von der Station unbedeutender Hengst die Stuten reihenweise zu verbessern schafft )hätte jeder Junghengst die gleichen Voraussetzungen, denn man sieht 10 Stuten und dazu 10 Fohlen und ein Zuchtrichter oder erfahrener Züchter wird beurteilen können, ob der Hengst es schaffte eventuelle Schwachpunkte der Stute auszugleichen oder zu verbessern, oder ob er die Schwachstellen potenzierte. Wenn dabei eine Stute ist, die selbst als Zuchtjuwel bezeichnet werden kann und der Hengst hat noch einen draufsetzen können, dann ist er ein Vererber. Macht er dem Fohlen des Zuchtjuwels aber eine feste Niere, ein geschliffenes Vorderbein oder gar noch Gang weg, dann muss man ihn auch nicht für eine weniger gute Stute nutzen, denn hier kann man voraussichtlich dann gar nichts mehr erwarten.
Mit so einem System würde natürlich auch eine Selektion im Bezug auf die Hengste statt finden können, die nur „heiße Luft im Hoden“ produzieren, weil man ihrem Muskelwachstum vor dem Körtermin mit Anabolika nachhalf oder weil sie einfach nicht können. Wenn dann aber 10 Deckscheine ausgestellt wurden, und nur 1 Fohlen da ist, lässt das entweder Rückschlüsse auf die Samenqualität zu, oder auf die Aufbereitung des Samens von einer Station, die es nicht so genau nimmt mit der Qualität - Hauptsache der Kunde zahlt die Decktaxe - oder es waren allesamt Pfuscher bei den Besamern am Werk, wobei die erste These aber schon auch wahrscheinlich ist. Als Züchter, der zwei Stuten beim gleichen Hengst hatte und außer Kosten nichts davon hatte, würde ich so ein System begrüßen - vorausgesetzt man schafft auch hier eine möglichst einheitliche Basis, also alle Natursprung im ersten Jahr.
Ja klar ist das auch nicht der Stein der Weisen, denn die Rittigkeit der Nachkommen wird sich erst in drei Jahren zeigen und hier ist wieder der Beritt gefragt und die Springveranlagung kann man dann vier Jahre später erst überprüfen. Und ein korrekt gebautes Pferd garantiert sicherlich nicht für Erfolge in Viereck und Parcours. Manch „krummer Hund“ konnte Siege in internationalen Prüfungen erzielen und weder Halla noch Gigolo wären für mich nun der Prototyp des Zuchtpferdes, aber im Sport, da mag man sie nicht missen. Und obwohl Halla noch die Chance hatte ihr Potenzial an ihre Fohlen weiter zu geben, schaffte es keiner ihrer Kinder an die Leistung der Mutter anzuknüpfen. Sie war halt ein züchterisches Endprodukt, wie viele Rassemixe, die nicht auf einer konsolidierten Basis und Zuchtplanung beruhen.
Und darum ist es natürlich ein Unterschied, ob ich ein Zuchtpferd nach seinem genetischen Wert beurteile, das seine positiven Eigenschaften möglichst an seine Nachkommen weitergeben soll, damit die erfolgreich als Sportpferd sind, bzw. der Zucht weiterhin gute Gene liefern oder ob ich den Wert eines Sportpferdes einschätze, das selbst für Erfolge sorgen soll.
Diesbezüglich scheint mir dann eben das Modell der HLP oder Stutenleistungsprüfung, die vor allem die Sportlichkeit des zukünftigen Zuchtpferdes prüfen, nicht so geeignet, dem Züchter Informationen zur Vererbung zu liefern. Wenn ich mir einen Hengst als Vatertier für mein Fohlen anschaue, dann interessiert mich seine HLP erst in zweiter Linie, denn was nutzt mir der Siegerhengst und sein volles Scheckheft, wenn er diese guten Eigenschaften nicht weitergibt? Und so fragte ich einen Deckkunden, der jede Note der HLP erfragte, die sein ausgewähltes Vatertier in der HLP erzielte, ob er den Hengst zu kaufen gedenke. Er verstand meine Frage nicht. Als ich ihm dann sagte, dass wenn ich einen Deckhengst in erster Linie als Sportpferd kaufen möchte, ich mich auch nach seiner sportlichen Eigenleistung und nach dem Scheckheft erkundige, aber wenn ich mit einem Deckhengst suche, dessen Fohlen meins sein soll, dann eher Wert darauf lege, ob seine Nachkommen die Attribute besitzen, auf die ich Wert lege, denn auch wenn der Hengst S-Dressur läuft, ist das keine Garantie, dass es die Fohlen später auch tun wollen.
Vielleicht sollte die ganze HLP abgeschafft werden und die Körungen weniger nach Vatertieren, Züchtern und Rang und Namen der Deckstation entschieden werden, sondern eben auch mit Hengsten, die inkognito vorgestellt werden. Ich will hier keinen Freibrief verteilen, damit auch die „wilden Anpaarungen“ eine Chance erhalten zu decken, denn für mich steht das genetische Erbgut in der Zucht im Vordergrund und die damit verbundene Chance, aus konsolidierten Stutenstämmen auch wieder entsprechende Nachzucht zu erhalten, aber meines Erachtens wird sehr viel in Punkto „Vermarktbarkeit“ gekört und so gehen wertvolle Linien der Zucht verloren, weil sie von den Verbänden und den Hengsthaltern nicht so promoted werden, wie die modernen Vieldecker. Sicher wird der ausländische Markt die guten deutschen Vererber wie Donnerhall und Rubinstein bevorzugen, wenn sie an den Auktionen Fohlen einkaufen und gerade die Trakehnerzüchter verfolgen immer mehr die Verkaufsstrategie der Landeszuchten und gehen mit der Trakistute zu einem Donnerhall und haben dann einen Oldenburger Siegerhengst, während sie in der reinen Trakizucht keinen Fuß in die Tür bekommen, solange die in den Händen weniger großer Deckstationen liegt.
Ich will einem Hohenstein oder Latimer keinesfalls die Qualität absprechen, aber ständen diese Hengste nicht auf dem Klosterhof, dann würden sie vermutlich, wie viele andere Trakihengste, die nicht so finanzkräftige und einflussreiche Besitzer haben, 3 - 4 Stuten im Jahr decken und damit wenig Gesamtbedeutung in der Zucht erlangt haben. Aber leider ist die Abstammung keine Garantie für eine erfolgreichen Zuchtlaufbahn und auch wenn die Anpaarungskombination Latimer x Hohenstein die Begehrlichkeit des Hengstes auf dem Markt weckt und auch zahlungskräftige Kunden lockt, so half Immenhof das in der HLP nicht, denn er verpasste gleich zwei Mal das Klassenziel.
Und hier stellt sich die Frage: „Züchtet man für den Markt und versucht wirtschaftlich zu arbeiten und muss daher die Anpaarung marktorientiert und damit mit der Top-Ten der Vererberliste planen, damit das Fohlen eine Chance hat über den berühmten Namen des Vaters einen guten Preis zu erzielen, oder will man eine konsolidierte Zucht erhalten und auf altbewährte Zuchtlinien zurückgreifen, auch auf die Gefahr hin, dass man einen verschwindend kleinen Markt anspricht, den man selten bei den Auktionskäufern findet?
Da auch ich der ersten Gruppe angehöre, was die Schecken anbetrifft, weil ich auch noch von irgendwas leben muss und somit auf die aktuellen Zuchtspitzen setzen muss, um meine bunten Fohlen auch für ein finanzkräftiges Publikum begehrenswert zu machen, verstehe ich jeden Züchter, der natürlich damit auch dazu beiträgt, dass die Zucht immer enger wird und die Gefahr, dass der 50. gekörte Hengst mit der Abstammung Sandro Hit x Donnerhall/Rubinstein dann nur noch auf Stuten gleicher Abstammung trifft oder die Springstuten beglücken muss, liegt nah.
Aber mein Versuch, auf eine Halbtrakehner Scheckstute einen Trakehner Vererber zu packen, um alte und bewährte Hengstlinien wie Mahagoni und Ibikus auf der Basis der Linienzucht zu potenzieren, wurde vom Käuferklientel nicht honoriert. Sicher wird das Stutfohlen, als Ergebnis dieser Zuchtplanung eine sichere Bank werden, wenn man sie in der Zucht einsetzt, aber die finanzkräftigen Scheckenkäufer wollen erfolgsträchtige Abstammungen, die sich an die deutsche Zuchtelite anlehnt und wenn halt kein Donnerhall oder Rubinstein im Pedigree auftaucht, dann ist der Kauf des Pferdes nicht erstrebenswert (übrigens bestätigte sich das bei So Long, der trotz des Loches auf der Mutterseite gut zu tun hatte, weil er ja ein Donnerhall-Sohn ist)und diejenigen, denen Donnerhall und Rubinstein eh egal sind, die interessiert auch meist der Zuchtgedanke nicht, der dem Anpaarungsgedanken zugrunde liegt, denn die suchen ein günstiges Pferd, das möglichst schön gescheckt ist.
Was also kann das Fazit sein, was man zum Thema HLP zieht? Dass man darauf verzichten kann, weil der Züchter ja nachkört, ist vermutlich noch utopischer als die Brave new World von Huxley, denn der Züchter orientiert sich am Markt und der diktiert, was sich verkaufen lässt. Und für denjenigen, der darauf zielt, dass er als Absetzter verkaufen will, der braucht eben Namen im Pedigree die Hoffnung wecken, denn dafür bezahlt man mehr, als für manch reell gerittenes Pferd - die Fohlenauktionen zeigen es, denn ob das Spitzenfohlen für 40.000 Euro seinen Preis je wert sein wird? Wer aber später verkauft, der legt in 98% der Verkäufe sowieso drauf, wenn er einen No-Name-Hengst zum Vater seines Fohlens machte, denn bis die ersten Schleifen das Pferd für den Markt begehrlich machen und den Züchter auf Geld hoffen lassen, hat es sich meist schon selbst aufgefressen.
Also wird es wohl weiterhin so sein, dass der Hengsthalter und Aufzüchter erst einmal dem Goodwill des Verbandes ausgesetzt ist, der den Hengst kört oder halt nicht und danach viel Geld investiert, damit der Hoffnungsträger die HLP schafft, damit man dann zwei Jahre später feststellt, dass sich Hengsthaltung nur Rendite verspricht, wenn man über die entsprechenden Mittel verfügt, den Goldjungen auch zu promoten, d.h. einen entsprechenden Reiter zu buchen, der Erfolge ins Scheckheft bringt, oder selbst dazu fähig zu sein und überall präsent zu sein, wo der Züchter die Zuchtelite erwartet - Bundeschampionat gehört da selbstverständlich dazu. Natürlich sollte auch der Verband hinter dem vielversprechenden Junghengst stehen und die Empfehlung dafür an die Züchter weitergeben. Manchmal wird das unverschlüsselt gemacht, manchmal werden die Fohlen zu diesem Zweck en Gros prämiert und die männliche Nachzucht bevorzugt gekört oder zum Sieger berufen, damit auch der letzte Deppenzüchter begreift, dass wenn man Erfolg haben will mit seinem Fohlen, an d e m Hengst kein Weg vorbei führt. Sinnvoller Weise sollte man als vorausschauender Hengsthalter auch schon im Vorfeld dafür sorgen, dass der Hengst nur die Stuten deckt, deren Fohlen auch eine sichere Bank sind, denn wenn zwar im ersten Jahrgang 100 Fohlen zur Bewertung anstehen, die man allesamt von Verbandsseite nicht so einfach ohne gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten über den grünen Klee loben kann, dann wird auch der naivste Deckkunde irgendwann misstrauisch. Da man außerdem als Züchter die Bedeckungszahlen sowieso nicht nachkontrollieren kann, ist es hier auch kein Problem ein bisschen zu schummeln und die Anzahl der besamten Stuten ein wenig nach oben zu korrigieren.
Hat man für diesen Weg nicht genügend Puste in Form eines wohl gefüllten Europolsters, wird der Goldjunge vermutlich wie viele andere Zuchtjuwele im Nirwana der „wurde auch mal gekört, hat aber auf die Gesamtzucht keinen prägenden Einfluss nehmen können- Hengste“ verschwinden.
Trotzdem kann es natürlich passieren, dass auch alle Schützenhilfe dem Pferdesohn nichts nützt, weil fünf Jahre später die Nachzucht unterm Sattel nicht wie erwartet begeistert. Aber dann kann man den Hengst immer noch ins Ausland verklappen, wo er der deutschen Zucht nicht mehr schadet. Und das Ausland ist auch ein dankbarer Abnehmer für die Pferdejungs, die marktorientiert gekört und mir Vorschußlorbeer bedacht wurden und trotzdem an der HLP scheitern.
Und mein Fazit ist und bleibt nun das, dass Pferdezucht mit Geld und Macht zu tun hat und weniger mit Zuchtfortschritt und Pferden und somit werden wir, die kleinen Hengsthalter weiterhin diejenigen sein, die froh sind, wenn der eigene Hengst nach der Körung nun wenigstens die 80 Punkte in der HLP schafft, die ihm die Chance erhalten im HB1 geführt zu werden und die weiterhin die Verbände und HLP-Anstalten mit unseren hart verdiensten Euros sponsoren, damit uns von den wenigen Erfolgreichen der Szene die Butter vom Brot genommen wird.
Und zum Schluss fällt mir nur noch der bekannte Spruch all derer ein, die nicht zu den wenigen gehören, die bequem in eine Telefonzelle passen und mit Pferden reich wurden, sondern zu der Sorte, die knapp auf einen Fußballfeld passen und mit den Pferden eher arm wurden: „Wer mit Pferden ein kleines Vermögen machen will, der sollte vorher schon ein großes Vermögen haben ..."
Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
Lesezeichen