Schon registriert?
Registrieren

Passwort vergessen??

Usernamen vergessen?

  • Aggressiv
  • amüsiert
  • Ängstlich
  • Auf Wolken
  • Bedrückt
  • beschäftigt
  • Beschissen
  • Besorgt
  • Betrunken
  • Bewusstseinserweiternd
  • Blah
  • Böse
  • Boshaft
  • Chatten
  • Cooll
  • Dämlich
  • Denkend
  • Doh
  • Durchhängen
  • düster
  • Einsam
  • energisch
  • engel
  • erstaunt
  • Flirten
  • Frech
  • Fröhlich
  • Gelangweilt
  • geschockt
  • Gestresst
  • Gewagt
  • Grübeln
  • Happy 1
  • Heiss
  • hinterhältig
  • Im All
  • in Frage stellen
  • Inspiriert
  • Kaelter
  • Kalt
  • Keine Stimmung
  • Krank
  • Kurios
  • lauernd
  • lieblich
  • Malen
  • Müde
  • Munter
  • Mürrisch
  • nachdenklich
  • Naschen
  • Nerdy
  • Nicht Würdig
  • Ok
  • Paranoid
  • Relaxt
  • Rofl
  • Schimpfen
  • Schlafen
  • Schmerzen
  • Schüchtern
  • Snob
  • Sonnenschein
  • Teuflisch
  • tot
  • Traurig
  • Vegetarier
  • verdreht
  • Verliebt
  • verwirrt
  • Yee haw
  • Zweifelnd
  • Zynisch
  • Amused
  • Angry
  • Annoyed
  • Awesome
  • Bemused
  • Cocky
  • Cool
  • Crazy
  • Crying
  • Depressed
  • Down
  • Drunk
  • Embarrased
  • Enraged
  • Friendly
  • Geeky
  • Godly
  • Happy
  • Hateful
  • Hungry
  • Innocent
  • Meh
  • Piratey
  • Poorly
  • Sad
  • Secret
  • Shy
  • Sneaky
  • Tired
  • Wtf
  • Ergebnis 1 bis 2 von 2
    1. #1
      Elchbine
      Gast
      Kein Status
       
      Ich bin:
      Keine Stimmung
       

      Absetzer und Jährlinge in der Herdenhaltung – Sozialisierung kontra Erziehung?

      Teil I

      Absetzer und Jährlinge in der Herdenhaltung – Sozialisierung kontra Erziehung?



      Ich habe schon oft mit Züchtern und Aufzüchtern über die erschwerten Bedingungen des Umgangs mit dem eigenen Jungpferd in der Herdenhaltung diskutiert und möchte dies nun zum Anlass nehmen, mir ein paar Gedanken zu machen, die es vielleicht wert sind aufgeschrieben zu werden, denn die Frage stellt sich mir selbst: „Wann ist ein Pferd Gehorsam oder wie viel Erziehung braucht ein Jungpferd?“.

      Ich erhebe aber auch keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit meiner Thesen, nur weil ich meine Erfahrungen als Grundlage dafür nutze, aber ich habe in den letzten 25 Jahren einige Absetzer bis zum Reitpferdealter und darüber hinaus begleiten dürfen und darum erlaube ich mir nun mal darüber zu referieren:

      Zunächst einmal denke ich, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, dass der Vergleich zwischen dem Gehorsam eines Reitpferdes und dem eines Jährlings nur ganz schwer möglich ist – zum einen, weil in der Regel ein Jährling in einer Gruppe gehalten wird, in der es Regeln für jedes Mitglied dieses kleinen Herdenverbandes gibt, was man Sozialisierung nennt. Ein sehr gut sozialisiertes Pferd ist auch für den späteren Einsatz als Reitpferd ein Segen, denn es weiß, dass sich einem Chef zu unterwerfen kein Verlust der Lebensqualität bedeuten muss, sondern im Gegenteil ein Gewinn sein kann, wenn es dadurch, dass es ihm vertraut auch geschützt ist. Der Deal ist also im Idealfall: „Ich mache was Du mir bestimmst und dafür sorgst Du für Futter und Sicherheit“. Das Pferd lernt auch Respekt zu zeigen und weiß, dass man sich dem Chef gegenüber keine Dreistigkeiten erlauben sollte, weil es dann Sanktionen gibt – also auch ein Plus für das spätere Reitpferd, das denjenigen, der ihm Sicherheit und Futter schenkt, respektiert, ihm gehorcht und nicht seine Wünsche permanent in Frage stellt.

      Und nun kommt es zum anderen, nämlich dazu, dass eben dieses in seiner Jugend gut sozialisierte Pferd, das die Regeln der Herde zu seiner Sicherheit und zu seinem Vorteil zu befolgen lernte, nun als Reitpferd seine Lektion schon gelernt hat und eine andere Voraussetzung für die gemeinsame Arbeit mitbringt, als ein Absetzer oder Jährling, der gerade dabei ist, sich zu sozialisieren.

      Der in der Regel Dreijährige, der aus der Herde, in der er aufwuchs in eine Einzelbox wechselt kann, nachdem es nun keinen Herdenboss mehr gibt, dessen Regeln er befolgt, nun recht problemlos den Mensch als neuen Führer und Boss akzeptieren und nun eben dessen Regeln befolgen, solange das nicht zu seinem Nachteil ist.

      Schwieriger ist es mit handaufgezogenen Pferden, die nicht in einer Herde groß wurden sondern nur den Menschen als Familie und Herde kennen und eben leider auch oftmals aus Mitleid mit dem armen Waisenkind gnadenlos verzogen werden. Es fehlt ihnen Respekt vor dem Menschen und weil der nicht abgrenzt, wird er als gleichgestellter Kumpel betrachtet, der zwar nett ist, aber dem man keine Anerkennung und Respekt schuldet.

      Ähnlich sind die sogenannten „Garagenfohlen“, die sich meist weibliche Käufer anschaffen, damit sie was zum Kuscheln haben und weil sie selbstverständlich diesen Kind- oder Hundersatz permanent zur Verfügung stehen haben wollen, wohnt das Tier gleich im Vorgarten – selbstverständlich ohne Beisteller oder Herde, denn dazu fehlt 1. der Platz und 2. soll das Tierchen ja keine anderen Götter neben dem Frauchen haben, die sie lieben und denen sie folgen.

      In solchen nicht von Artgenossen sozialisierten und vom Menschen mit weicher Hand erzogenen Pferden steckt nicht nur eine Menge Renitenz, sondern oft auch viel Unsicherheit, weil sie bislang ein Leben lebten, das nicht ihrer Art entsprach und vieles nicht lernten, was junge Pferde eben in der Herde und in einer artgerechten Aufzucht lernen – jedenfalls sind sie, obwohl sie den Menschen und dazu noch viel mehr kennen, als andere Jungpferde, weil mit ihnen ja viel getüddelt wurde, deshalb nicht problemloser im Umgang als andere in der Herde aufgewachsene Jungpferde, sondern meistens schwieriger, weil sie nie gelernt haben sich zu unterwerfen und sich in ihrer Mensch-Pferd-Beziehung als gleichrangig, gleichgestellt und gleichwertig sehen – also keinen Chef kennen und akzeptieren lernten.

      Ebenso schwierig ist es, wenn man sich für ein Alphatier als Reitpferd entscheidet, das es gewohnt ist zu führen und das sich bislang keinem unterordnen musste und nun natürlich auch beim Menschen immer mal wieder nachfragt, ob es vielleicht nicht doch nun der Boss sein soll – diese Pferde sind zwar absolute Siegertypen, weil ihr Ehrgeiz, wenn er in die richtige Richtung gelenkt wurde auch zum Vorteil des Reiters genutzt werden kann, aber so ein Pferd braucht auch enorme Konsequenz in der Erziehung und im Umgang, denn wenn es nur den Anflug einer Chance wittert, das Zepter zu übernehmen, dann versucht es das auch.

      Aber wie ich schon schrieb: Solche Pferde vermitteln einem auch das Gefühl, einen echten Partner unterm Sattel zu haben, denn mit der gleichen Energie und Konsequenz, wie sie die Herde leiten und regieren, erledigen sie auch ihre Aufgaben als Reitpferd, denn sie denken mit und kämpfen ... entweder für oder gegen den Menschen.

      Aber wenn wir nun den „normalen“ Youngster als Beispiel nehmen, dann profitieren wir zwar sehr von der Grunderziehung der Herde, also der Sozialisierung, aber das Jungpferd muss sich natürlich auch erst an die neue Lebenssituation gewöhnen und wenn es dabei sehr verunsichert ist, kann es teilweise daran liegen, dass der Aufzüchter das Pferd hat „wild“ aufwachsen lassen, was bedeutet, dass es noch nicht in der Hand des Menschen war, bzw. das es mit vielen, für ein Reitpferd selbstverständliche Dingen nicht vertraut gemacht wurde.

      Und hier setzen nun meine Gedanken zur Jungpferdaufzucht an, die mich beschäftigen, wenn ich die Frage stelle, ob die reine Herdenaufzucht eine Chance ist auf ein sehr gut sozialisiertes Pferd, bei dem wir eben mit dem Manko leben, das es vielleicht etwas länger braucht, bis die veränderten Lebensumstände nach der Umstellung akzeptiert und das Putzen und das tägliche Drumherum als angenehm empfindet oder zumindest als gegeben annimmt und duldet, oder ob es sinnvolle Alternativen gibt, die auch durchführbar sind, ohne dass das Pferd Stress dabei empfindet oder der Besitzer dabei verzweifelt.

      Um es gleich vorauszuschicken: Wenn ich erwarte, dass jedes Mitglied meiner Jungpferdegruppe vor mir in jeder Situation salutiert und sie kadavergehorsam wie Fremdenlegionäre funktionieren, sobald ich mich in ihrem Territorium und zwischen ihnen bewege, gibt es nur eine Möglichkeit, indem ich mit ihnen in der Herde, als Mitglied und Chef derselben lebe, so wie es ein Verhaltensforscher machte, der ein Wolfsrudel studierte und in dieser Zeit ständig mit den Tieren zusammen war, dann ersetze ich aber auch den Pferdechef und werde wie er oder sie mit absolutem Respekt behandelt.

      Da aber diese Form des Zusammenlebens mit Pferden wenn überhaupt, dann vermutlich nur zu Forschungszwecken sinnvoll ist, wünscht man sich als Pferdebesitzer und Jungpferdaufzüchter vielleicht, dass man einen alternativen Weg finden kann, der den Tieren eine artgerechte Herdenhaltung ermöglicht, gleichzeitig aber dem Menschen die Möglichkeit gibt, mit den Pferden trotzdem umzugehen, denn dass ich natürlich den perfekten Einfluss auf die Erziehung meines Pferdes nehme, wenn ich es aus dem Einfluss heraus nehme, den die Herde auf es und sein Verhalten ausübt und mich zu seinem alleinigen Lebensinhalt mache, dabei aber genau wie ein Pferdechef keine Respektlosigkeiten und Dreistigkeiten dulde und sofort ahnde, das steht glaube ich fest – leider gibt es auch hier Haken, denn zum einen verliert das Pferd die Möglichkeit soziales Verhalten seinen Artgenossen gegenüber zu erlernen und kann im Regelfall darum auch später nicht stressfrei in eine Herde integriert werden und zum anderen kommt es dabei meist zu einer Fixierung auf eben diesen Menschenchef, den das Pferd respektiert, aber alle anderen Personen, die mit ihm umgehen, werden als gleichwertig gesehen und entsprechend wird die Rangordnung Mensch-Pferd hier nicht als selbstverständlich angesehen, sondern immer wieder angetestet.

      Ich hatte von meinem „Rappi“ geschrieben, den ich als Fohlen kaufte, aber aufgrund einer Verletzung ein Jahr lang nicht in eine Herde stellte, sondern ihn zuhause in einer Einzelbox neben meinem Wallach hielt, mit dem er auch auf die Weide ging. Da ich für meinen Wallach der Chef war, akzeptierte Rappi mich zunächst auch als solchen. Durch die Verletzung, die täglich behandelt wurde, kam es aber dann doch ab und an zu Auseinandersetzungen, die ich nicht immer gewann und somit an Respekt einbüsste, was der Bursche auch als Sieg nach Punkten auf sein Konto buchte. Dass es an der Zeit ist, nun endlich durchzugreifen und die Fronten ein für allemal zu klären, merkte ich, als er eines Tages auf Zwei Beinen stehend, mit den Vorderbeinen Richtung meinen Kopf winkend auf mich zukam und zum Angriff blies.

      Er war keinesfalls ein Verbrecher, aber er hätte in einer Herde von Junghengsten ganz sicher auf genau diese Art und Weise versucht in seinem Rang zu steigen und die Chefposition zu erhalten und da der Wallach längst unter ihm stand (der wollte nur seine Ruhe haben) und ich also die Einzige war, um deren Position es zu kämpfen galt, tat er dies, indem er mich angriff.

      Ich feuerte ihm damals den vollen Futtereimer – mehr aus Zufall, als gezielt und mit Absicht - auf die Hoden und als er erschrocken weggaloppierte, schnappte ich mir den Eimer und warf ihn noch einmal – diesmal hinter ihm her. Für dieses Mal hatten wir also die Rangfolge geklärt, aber mir war klar, dass sein Versuch nicht der einzige bleiben würde und er bei der nächsten günstigen Gelegenheit zur Attacke blasen könnte, wenn ich nicht vorher etwas unternahm.

      Ich habe mir damals Rat bei einem Schüler von Freddy Knie geholt und mit dem knapp ein Jahr alten Rappen im Roundpen gearbeitet, bis wieder Klarheit über die Rangfolge bestand, aber obwohl ich ihm dann einen gleichaltrigen Traber dazustellte, den er allerdings schon vom ersten Moment an beherrschte, und ihm so Pferdekontakt ermöglichte, sozialisierte er sich nicht ... und auch Jahre später forderte er jedes andere Pferd, dem er begegnete zum Kampf und machte selbst vor Sambuco nicht halt. Der hat ihn dann auch kernig vermöbelt, aber der Kampf endete nicht damit, dass er aufgab, sondern weil wir die Kampfhähne trennten. In der Folge versuchte Rappi sogar unter dem Sattel seinen Feind Sambuco anzugreifen, indem er mit Reiter vom Viereck weg, einfach Richtung Sambucos Weide trabte und vor dem Zaun steigend, den alten Hengst annöckelte. Selbst die Gertenhiebe von oben waren ihm egal. Erst als ich, vom Geschrei der Reiterin herbeigerufen, vor ihm stand und ihm mit der Longiergerte drohte, drehte er ab und marschierte auf den Platz zurück.

      Ich war die Einzige, die in seine Box durfte und ohne seine Späße wieder hinauskam, denn manchmal stellte er sich einfach quer vor den Menschen, der zu ihm kam und hob einfach immer sein Hinterbein, wenn der sich an ihm vorbei bewegen wollte, sodass der arme Gefangene sich natürlich nicht bis zur Tür traute und erst erlöst wurde, wenn ich das Rufen hörte.

      Natürlich testete er auch mich manchmal an, aber spätestens, wenn ich ein „Mitarbeitergespräch“ mit ihm in der Reithalle geführt hatte, war er wieder ein ganz braves Pferd.

      Ich gebe zu, dass ich auch ein wenig stolz war, als Rappi an einem Turnier sich seiner Reiterin entledigte und anstatt die auf dem Abreiteplatz befindlichen Stuten zu beglücken, auf meinen Zuruf sofort die Öhrchen spitzte, sich umdrehte und auf mich zutrabte um exakt vor mir stehen zu bleiben. Micha meinte damals entsetzt, als die Reiterin aus dem Sattel flog und ich meinen Hengst rief, ob ich wirklich annehmen könnte, dass der freilaufende Hengst auf meinen „Rappi, komm sofort hier her“- Ruf die Stuten ignorieren würde, um zu seinem Frauchen zu kommen und war dann wirklich sprachlos, als der Hengst das tat und sich ohne auf den Trubel um ihn herum zu achten von mir am Zügel fassen ließ und mir zum Anhänger folgte wie ein braver, alter Wallach.

      Leider hatte ich keine Zeit, mich nur um meinen Schwarzen zu kümmern und da alle Mitarbeiter sich weigerten, mit ihm umzugehen und seine Späße fürchteten, habe ich ihn zu einem Ausbilder gestellt, der mich jedoch kurze Zeit später schon bat, ihn schnellstens wieder abzuholen, weil seine Leute Hölzchen ziehen, wer mit dem Ungeheuer umgehen muss und keiner gerne mit ihm zu tun hat.

      Ich habe ihn schweren Herzens verkauft und ich weiß, dass er trotz Kastration nicht weniger frech wurde und mehrfach den Besitzer und den Ausbilder wechselte, bis ich ihn endgültig aus den Augen verlor ...

      Mir ist bewusst, dass ich ihm seine Zukunft mit meiner damaligen Unwissenheit verbaut und ihm keinen Gefallen damit getan habe, dass er nicht mit gleichaltrigen Hengsten aufwuchs, sondern mit mir und meinem Wallach, bzw. dem „Opfer-Traber“ und ich denke noch heute oft an ihn und frage mich, wie er wohl geworden wäre, wenn ich ihn anders aufgezogen oder ihn behalten hätte.

      Natürlich versuchte ich aus der traurigen Geschichte zu lernen und die Jungpferde, welche wir in den Jahren darauf aufzogen, möglichst artgerecht und unter besten Voraussetzungen groß werden zu lassen, aber ich merkte auch, dass es sehr schwer war, die Erziehung, so wie ich sie mir als Vorbereitung für ein Reitpferdeleben vorstellte, mit der Aufzucht in einer Herde im Offenstall zu verknüpfen, denn die zunächst angestrebten Einzelerziehungsmomente, zu denen ich mir einen Junghengst aus der Herde fischte, um ihn mit dem angebunden stehen bleiben, dem Putzen, dem an der Hand gehen und sonstigen sinnvollen Dingen vertraut zu machen, gestalteten sich meist wie folgt: Das Pferd aus der Herde zu holen ist schon vergleichbar mit dem Sprung in ein Piranhabecken und es alleine wieder in die Herde zu stellen, war fast unmöglich.

      Der jeweilige Auserwählte hatte auch überhaupt kein Problem damit, aus der Herde geholt zu werden, denn es erwartete ihn ja ausschließlich Gutes und Dinge, die man auch als Jungpferd mag, aber das zurückführen in die Herde, wenn es sich nicht gerade um den Chef handelte, der sowieso über den Dingen steht, war jedes Mal für den jungen Hengst der pure Stress, denn zumindest bei uns war es in der kleinen Hengstherde so, dass der "Abtrünnige" der die Herde verlassen hat, erst mal vom Boss Lafka bekam, wenn er wieder zurückkehrte - schließlich kann nicht einfach ein rangniedriges Tier die Gruppe verlassen und dann so mir nichts dir nichts wiederkommen, als sei das vollkommen normal.

      Für den Menschen, der das Pferd dann wieder zu integrieren versuchte, war diese Situation auch nicht ungefährlich, denn wenn fünf Jungpferde sich auf einen einzigen Jährling stürzen und man dazwischengerät, dann ist das schon irgendwie beängstigend und ich gebe zu, dass ich dann auch immer versuchte, nicht mit ins Paddock zu laufen, sondern das Halfter auf halbem Weg abstreifte, um das Pferd alleine zu den anderen laufen zu lassen, ohne zu riskieren, dass ich mit ihm reinlaufe, ihn umdrehe, dann das Halfter abnehme, um anschließend unter die Hufe zu geraten.

      Wir mussten, um wirklich mit den Junghengsten arbeiten zu können darum auch schon früh zumindest nachts die Pferde in Einzelboxen einstallen, denn wenn alle Mitglieder der Herde reinkommen, dann ist das auch o.k., wenn sie dann alle möglichst gleichzeitig wieder zusammen rauskommen, aber wenn einer herausgefischt wird und die anderen draußen bleiben, dann ist es schwierig, den dann wieder in die Herde zu integrieren, wenn er nicht gerade der Boss ist, der sich sowieso Respekt zu verschaffen weiß.

      Mein Fazit war also, dass es eigentlich fast unmöglich ist, die Jungpferde in reiner Offenstall-, Weide-, oder Gruppenhaltung aufzuziehen und gleichzeitig als Mensch regelmäßig erzieherisch auf sie einzuwirken, indem man sich einzelne Tiere aus der Herde nimmt, denn damit greift man leider auch störend in die Herdenregeln ein, weil es eben in der Gruppe lebt und sich den sozialen Regeln unterwirft, die dort herrschen und nicht denen des Menschen, der es ab und zu mal als „Gastchef“ besucht – ganz abgesehen davon, dass man sich selbst dabei in Gefahr bringt, denn bei aller Dominanz, die ich als Mensch und Alphawesen selbstverständlich stets bemüht bin auszustrahlen und zu verkörpern und allem Respekt, den mir meine Pferde zollen, sind sie meinem Kommando eben doch nur zeitweise unterstellt und den Rest der vielen Stunden, in denen ich nicht ihr Chef bin, sondern die Herde sich selbst regiert mit einer Rangordnung, hängt theoretisch ihr Leben von ihren schnellen Beinen, ihrem Reaktionsvermögen, ihrem Instinkt, der Klugheit der Leitstute und dem funktionierenden Verband der gesamten Herde ab - auch wenn wir sie Jahrhunderte lang zum Haustier domestizierten, sind sie doch Fluchttiere geblieben und wenn von hinten aus der Dunkelheit etwas auf sie zuschießt oder nach acht gemeinsamen Stunden nicht so schnell von "der jeweils Ranghöchste hat das Sagen" auf "Achtung, jetzt bestimmt wieder der Mensch unser Tun" umgeschaltet wird, dann weiß ich eben, dass ich immer noch mit Tieren umgehe, die als Beutetier für Raubtiere nur dann dem Menschen Respekt und Dominanz entgegenbringen, wenn sie sich von ihm geschützt fühlen, weil sie ein Halfter tragen und vom Menschen geführt werden und in der "freien Wildbahn" des Paddocks lieber ihren eigenen Gesetzen gehorchen und eben auch riskieren, dass bevor sie gebissen werden, lieber der Mensch, der in der Fluchtbahn steht, angerempelt wird.

      Natürlich bin ich überzeugt, dass wenn ich zumindest die acht Stunden auf dem Paddock mit ihnen verbringen würde und in dieser Zeit permanent darauf achten könnte, dass mir jeder Respekt zollt, sie es niemals wagen würden, mich anzurempeln - oder wirklich nur in höchster Not und Panik, denn dann kann es selbst Flora mal passieren, dass der Respekt des Untertanen vor ihr geringer ist als sein Wille zum Überleben und sein eigenes Wohl dann höher steht, als die Demut vor dem Boss.

      Aber solange ich den Anspruch, der Chef zu sein und Respekt zu erhalten nur für einen bestimmten Moment des Tages, nämlich den, wenn die Pferde am Halfter und Strick an meiner Hand sind, oder wenn ich ihre Box betrete, beanspruchen kann, weil ich den Rest der Zeit woanders verbringe und sie sich selbst überlasse, kann ich nicht erwarten, dass sie in jeder Situation vor mir kuschen.

      Bitte versteht mich nicht miss - ich erziehe meine Pferde durchaus und wenn ich ihren Stall betrete, dann weichen sie brav und respektvoll zur Seite und keines geht ans Futter, solange ich es nicht erlaube. Ich kann jedes von ihnen in der Box stehen lassen und die Tür dabei öffnen und solange sie mich sehen, wird es keiner versuchen, ohne dass ich ihn aufhalfterte und dazu aufforderte, die Box zu verlassen. Auch am Halfter erwarte ich, dass alleine mir die Aufmerksamkeit des Pferdes zuteil wird und sich die Pferde darauf konzentrieren, was ich erwarte und von ihnen verlange. Wenn einer von ihnen am Strick herumzickt und mir über die Füße baselt, dann gibt es ein "Mitarbeitergespräch" zwischen mir und ihm, aber ich amüsiere mich auch immer wieder, wenn mir jemand, der ein oder zwei erwachsene Reitpferde sein eigen nennt mir gute Ratschläge erteilt, wie man ein Jungpferd auch inmitten der Herde und auf dem Paddock zum respektvollen Abstand zum Menschen erzieht, bzw. mir erklärt, wie ich es – rein theoretisch natürlich – ganz einfach schaffe, dass sich die Pferde abends brav in Reih und Glied stellen und ohne Schubsen und Drängeln warten, bis sie an der Reihe sind, obwohl derjenige sein Wissen lediglich aus Büchern bezieht und noch niemals mit einer solchen Situation konfrontiert wurde.

      Leider sind die schöne Theorie der Lehrbücher über Pferdeerziehung und die Praxis, wenn bereits 10 Mitglieder der organisierten Drachenbrut am Tor stehen und nur darauf warten, dass es sich öffnet, damit man zumindest einem der Kumpels in den Hintern kneifen darf, weil die Gelegenheit so günstig ist und der sich ausnahmsweise eben nicht wehren kann, so weit entfernt voneinander wie die Sonne von der Erde. Klar klingt es einfach umzusetzen und plausibel, was da geschrieben steht, aber wenn man jeden Tag zweimal, bei Sonne, Wind, Schnee, Glatteis, Regen, Sturm und Hagel, bei Dunkelheit und finsterer Nacht die Pferde rausbringt und reinholt und sich dabei jeden Tag das gleiche Schauspiel bietet, dann sagt es sich leicht, dass man konsequent sein soll und dererlei Drängeleien gar nicht erst durchgehen lassen darf, aber ich würde dann auch gerne mal jeden der Pferdeleute, die ein Pferd im Einstellerstall in einer Einzelbox stehen haben, aus der sie das Tier einfach nur rausziehen müssen, ohne dass ein anderes Pferd von hinten zur Attacke bläst oder sich ein anderes versucht mit hindurchzudrängeln, kaum dass das Tor sich öffnet, bitten, den Job mal eine Woche lang zu machen und ich wette, dass die heheren Ziel sich dann auch schnell verflüchtigen ... manchmal versuche ich schon für Ordnung zu sorgen und schaffe es dann auch annähernd so gut wie ein Raubtierdompteur in der Manege alle zehn Pferdedamen im Auge zu behalten, aber es gibt einfach auch Tage, da stehst Du im Stockfinsteren mit klammen Fingern und versuchst einfach nur noch irgendeinen Pferdekopf zu ertasten, über den Du dann ein Halfter streifst und hoffst, dass keiner der anderen Viecher mit rausläuft oder Du in eine Keilerei gerätst, weil die Chefin von hinten anrollt und ihre Rechte geltend machen will.

      Vor allem wenn man alleine ist und keine dritte oder vierte helfende Hand die Tiere in Empfang nimmt, während der andere sie vorher sortiert, verwirft man alle schöne Theorie und ist einfach nur froh, wenn man selbst unbeschadet alle Pferde wohlbehalten in die Boxen zurück verfrachtet hat.

      Wer täglich mit mehr als fünf Pferden umgeht, die in einer Herde integriert mit anderen Pferden zusammenstehen, und nie, aber wirklich nie inkonsequent ist, der soll sich bei mir melden, denn den stelle ich sofort ein aber ich fürchte, dass das wirklich utopisch ist, so jemanden zu finden - es sei denn, er hat wirklich nichts anderes zu tun, als sich 12 Stunden täglich mit der Erziehung der Pferde zu beschäftigen.

      Ich zollte Freddy Knie immer meine Hochachtung, denn wenn er mit acht Hengsten in der kleinen Manege stand und alle auf sein Kommando hörten und ihre Aufmerksamkeit nur auf ihn richteten, sobald er das Rund betrat, dann ahnte ich damals nur annähernd was der Mann an Erziehungsarbeit geleistet hat, weil er sich zum Herdenchef profilieren konnte ... nur trugen selbst bei ihm manche Hengste einen Maulkorb, damit sie nicht mal eben rasch, wenn der Meister nicht hinguckt, dem Kumpel in den Hals beißen konnten oder gar einen Kampf anzettelten.

      Man möge es also allen Stallbetreibern und Aufzüchtern mal großzügig verzeihen, wenn sie, die sie nicht 12 Stunden täglich mit ihren Pferden arbeiten können und kein Hilfsmittel benutzen, wie einen Maulkorb, welcher den Rangniedrigen vor Bissen schützt, auch mal Fünfe gerade sein lassen und nicht etwa dann mit jedem einzelnen der 5 oder 10 Pferde ein Dominanztraining von vielleicht 20 Minuten durchziehen, wenn sie eben von so ein rangniedrigem Pferd anschubst werden, weil ein anderes es versuchte wegzubeißen und es in seiner Not flieht, ohne zuerst darüber nachzudenken, dass dem Mensch Respekt gezollt werden muss, und es sich besser entscheidet, vom Artgenossen gebissen, als vom Menschen zurechtgewiesen zu werden.

      Ich habe im Lauf der Zeit auch manches Ziel als auf Dauer undurchführbar aufgeben müssen und mein bester Ehemann von allen, Micha rennt so ca. einmal die Woche irgendeinem Pferd nach, weil er stets noch immer an das Gute glaubt und annimmt, dass es für ein Herdentier nichts Schöneres gibt, als vom trockenen Weg in den Modder zu marschieren, wo die Kumpels warten - jedes Mal frage ich ihn, ob er Alzheimer hat und vielleicht vergaß, dass das eben doch nicht immer funktioniert ... mal abgesehen davon, dass ich ihm dauernd predige, dass man ein Pferd durchs Tor führt, umdreht und erst dann das Halfter abnimmt und nicht im Vorbeigehen das Halfter abstreift und das Pferd dann in die Freiheit entlässt, aber Theorie und Praxis sind eben manchmal so weit voneinander entfernt wie Sonne und Erde, wenn es schnell gehen soll und die Zeit drängelt.

      Aber zurück zur Jungpferdeaufzucht in reiner Gruppenhaltung, die ich selbst zwar nicht praktiziere, aber trotzdem nie ablehnen würde.

      Wer sich aber dafür entscheidet, der muss sich aber eben auch im Klaren darüber sein, dass er bei dieser Form der reinen Gruppenhaltung eigentlich wenig vom eigenen Pferd hat, denn mal eben rausziehen zu kuscheln ist, wie ich schon schrieb, meistens Stress für Pferd und Besitzer. So schade es also ist, dass man als Mensch weniger auf die Erziehung des eigenen Pferdes einwirkt als die Artgenossen, so wichtig ist es auch, dass wenn man sich für diese Haltung für ein Jungpferd entscheidet, diese Regeln auch akzeptiert und möglichst wenig störend eingreift, weil man dadurch das jeweilige Pferd auch in Stress bringt, wenn man es in die Herde zurückstellt.

      Ich erhebe natürlich auch hier nicht das Recht auf absolute Richtigkeit dieser, meiner These, denn es gibt sicher auch Pferde, die solcherlei Trubel entspannt über sich ergehen lassen oder Herden, bei denen sich die Tiere daran gewöhnten, dass mal ab und an einer fehlt und erst nach einer Stunde zurückkommt, aber je länger eine Gruppe von Pferden in gleicher Konstellation zusammen lebt, desto schwieriger wird eine – auch kurzfristige – Veränderung.

      Sicher gibt es Gruppen, deren Mitglieder immer wieder wechseln oder solche, die als kleine Gruppe einer großen Herde nur den Winter zusammen verbringen und im Sommer auf großen Weiden wieder in die allgemeine Herde integriert werden, wo sie sich aus dem Weg gehen können, wenn es Probleme mit der Autorität gibt und da mögen auch andere Regeln gelten – aber üblicher Weise wird eine Gruppe Jungpferde nach dem Absetzen zusammengestellt und wird dann in dieser Konstellation die nächsten zwei oder zweieinhalb Jahre zusammen verbringen und dann gibt es Gesetze, die man als Mensch besser nicht verändert, weil man nur so dem eigenen Pferd Stress erspart.

      Die Alternative zur reinen Gruppenhaltung ist die teilweise Gruppen und Einzelhaltung, die viele Aufzüchter aus Platz- und Kostengründen ablehnen, andere weil sie der Meinung sind, dass die Sozialisierung so nicht optimal funktioniert und ein Jungpferd in der Herde groß werden muss.

      Ganz sicher braucht ein Jungpferd den Kontakt zu Gleichaltrigen oder einer Herde und möglichst täglichen und ganztägigen Weide- oder Paddockgang, damit sein Bewegungsanspruch auch erfüllt ist, aber während ich bei jungen Hengsten der Meinung bin, dass nur Gleichaltrige zusammen aufwachsen sollten, weil es sonst zum sinnlosen Kräftemessen und Verletzungen kommen kann, wenn der freche Jährling dem Absetzer ins Kreuz springt, denke ich bei Stuten, dass es wichtig ist, dass sie eine Freundin in der Herde finden und das Alter nicht ganz so wichtig ist, denn die Stütchen raufen sich meist nicht wie Hengste – wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen und unser Jährlingshengst Amarula sich vor den Attacken der gleichaltrigen Stute Herzchen fürchtete.

      Bei uns fanden Bambi und ihre ein Jahr ältere Schwester Cora zusammen und bilden mit Marzipan ein Team, während Bambis Interesse an der gleichaltrigen Herzchen nie sehr groß war und auch Hibiska ist nicht zwangsläufig, nur weil sie gleich alt ist, ihre beste Freundin und Spielgefährtin.

      Die Erziehung der Jungstuten funktioniert perfekt durch die ältere Generation und für Bewegung sorgt immer eine der Damen, wenn sie plötzlich herumhüpft und die anderen animiert mitzurennen – damit ist meiner Meinung nach sowohl die Sozialisierung, als auch der Anspruch an die Bewegung gegeben und ob die Jungpferde nun die Nacht in einer Einzelbox verbringen oder im Laufstall verändert eigentlich nur meine Möglichkeit, mich mit ihnen zu beschäftigen, denn ich genieße natürlich auch gerade den Vorteil von zwei in Einzelboxen eingestallten Jährlingen, die mir zumindest frühmorgens und abends, wenn sie im Stall sind, für kosmetische Verschönerungen zur Verfügung stehen.

    2. #2
      Elchbine
      Gast
      Kein Status
       
      Ich bin:
      Keine Stimmung
       
      Teil II

      Als Bambi noch mit Herzchen im Laufstall stand, war es sehr viel schwieriger, sich nur um einen zu kümmern, vor allem wenn das dann auch noch der Rangniedrigere war. Aber den dann auch noch vor die Tür zu ziehen wäre sehr schwer gewesen, wenn der Chef in der Box hätte bleiben müssen - nicht weil sie unerzogen waren, sondern weil ich ihre Herdenregel verletzte, indem ich dem Rangniederen Privilegien zugestehe, die nur dem Chef zustehen.

      Ich weiß, dass ich mich schon wieder verfranse, aber was ich eigentlich sagen will ist, dass ich als Mensch von meinem gut erzogenen Absetzer oder Jährling Respekt und Gehorsam erwarten darf, solange ich mit ihm persönlich beschäftige und damit sein Boss bin, aber wenn er den Tag unter Artgenossen verbringt und damit in einer Herde steht, in denen er auch Regeln zu befolgen hat, dann werde ich sicher mehr als einmal enttäuscht sein, wenn ich mit der Erwartung auf die Weide oder aufs Paddock komme, dass ich nun für mein Jungpferd plötzlich der Lebensmittelpunkt bin, und die Herdenregeln außer Kraft gesetzt sind, nur weil ich einmal pro Tag fünf Minuten Zeit mit ihm verbringen möchte, während es mit seinen Kumpels und dem Herdenchef 23 Stunden und 55 Minuten gemeinsam verbringt, in denen die Regeln der Herde befolgt werden müssen.

      Und das trifft eigentlich auch nicht nur auf Absetzer und Jährlinge zu, sondern auch auf Zuchtstuten, mit denen der Mensch in der Regel nicht so viel Kontakt hat und auch nicht so viel mit ihnen umgeht - und ich spreche nun nicht von der einen Zuchtstute, die in einer Einzelbox steht und zwei Stunden am Tag getüddelt wird und ansonsten mit einer zweiten Freundin für 3 Stunden im Paddock oder auf der Weide läuft, sondern von Zuchtstuten, die in einer Herde integriert die meiste Zeit, bzw. im Sommer Tag und Nacht in der Herde verbringen und bei denen der Mensch lediglich die Rolle das Raus- und Reinbringers und Futterspenders hat. Und wenn es vom Stall auch noch einen Triebweg gibt, dann kennen die Stuten meist das aufhalftern nur dann, wenn der TA oder der Schmied kommt, denn ganz ehrlich, einen Züchter, der 10 Stuten hat und die täglich putzt und tüddelt, den kenne ich persönlich nicht und darum ist man in so einer Herde eben nur der "Gastchef" und muss vielleicht auch akzeptieren, dass man nicht immer den höchsten Respekt gezollt bekommt.

      Wem es also ganz wichtig ist, dass er viel Zeit mit seinem Pferd verbringen kann und es auch so hervorragend erzogen wird, dass ihm nichts wichtiger scheint, als die Regeln des Menschen unter allen Umständen zu befolgen, dem rate ich von einer Dauergruppenhaltung von Jungpferden und Zuchtstuten dringend ab, denn ein bisschen verwildern tun sogar meine Mädels auf der Sommerweide jedes Jahr, wenn sie nicht jeden Tag zweimal am Halfter geführt werden, sondern ganz unter sich sind.



      Ich habe bewusst hier nur über die Aufzucht vom Absetzer und Jährling und die Haltung reiner Zuchtstuten referiert, denn beim Reitpferd ist es in der Regel so, dass es fast täglichen Umgang mit dem Menschen als Reiter erfährt und entsprechend auch die Regeln des Menschen in den Jahren der Ausbildung kennen und akzeptieren lernte und in einer solchen Herde haben sich alle Herdenmitglieder daran gewöhnt, dass immer mal wieder einer fehlt und dann zurückkommt und damit handelt es sich nicht in der gleichen Form um die Dauergruppenhaltung wie beim Aufzuchtpferd oder der Zuchtstute, wo die Tiere teilweise den Sommer von April bis Ende Oktober kaum Menschenkontakt haben - es sei denn dass mal jemand vorbeikommt und ihnen über den Zaun die Nasen streichelt oder ein paar Möhrchen verfüttert - und auch nicht voneinander getrennt werden.

      Und die Tiere reagieren vor allem auf den Besitzer oder Reiter, der sich mit ihnen beschäftigt und wenn der sein Pferd aus der Herde holt, dann wissen die anderen, dass sie von ihm nichts zu erwarten haben und es gibt keinen Stress, aber wenn jemand ans Tor kommt, von dem sich alle Pferde Zuspruch erwarten, die in der Gruppe leben, dann wird es gruselig.

      Ich bin auch überzeugt, dass wenn ich regelmäßig eine von den älteren Stuten, die es kennen, dass sie auch mal alleine gearbeitet oder geritten werden aus der Herde holen würde, das mit der Zeit kein Problem mehr wäre, aber wenn ich z.B. Hibiska, die im Offenstall und ohne viel Getüddel aufwuchs alleine aus der Herde hole und dann versuche mit ihr zu arbeiten, ist es für alle Beteiligten Stress. Schon das Herausholen eines rangniederen Pferdes ist ein Problem das ist auch bei uns so und darum muss ich entweder alle reinholen und zwar in der Reihenfolge wie es die Herde diktiert oder ich brauche mindestens einen Helfer, der die anderen Pferde zurückdrängt, damit ich Hibiska überhaupt an den "Chefs" vorbeiführen könnte. Dann steht das Pferd, das sich in der Herde sicher fühlt, plötzlich alleine auf der Stallgasse und sieht die Kumpels nicht mehr - also wiehert es und erhält auch Antwort von draußen und schon ist es vorbei mit der Konzentration. Der Besitzer ist dann im Stress, weil er vielleicht mit dem panischen Pferd überfordert ist und das Pferd behält in seiner Erinnerung an dieses Erlebnis nur, dass man sich in Zukunft besser vom Acker macht, wenn der Mensch mit dem Halfter aufs Paddock oder die Weide kommt.

      Mache ich es mir da nicht leichter, wenn ich entweder so konsequent bin, entweder mein Pferd nur über den Zaun zu verwöhnen oder alle Pferde reinhole und das Jungpferd merkt, dass es nicht alleine ist und genießt es sogar, im Mittelpunkt zu stehen und verwöhnt zu werden?

      Wenn das Pferd es irgendwann selbstverständlich findet, auf der Stallgasse geputzt und betüddelt zu werden, dann ist es auch kein Drama mehr, wenn es auch mal alleine steht, denn zumindest kennt es das Drumherum schon und es ist Gewohnheit geworden.

      Der Haken an der Sache ist dann aber, dass wenn ich, nur um mit einem Jungpferd mal 20 Minuten zu tüddeln die ganze Herde reinholen und dann wieder rausbringen muss, der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht, während wenn ich die Jungpferde im Winter nachts in Einzelboxen stelle und nicht in einen Laufstall, ich sowieso jeden Morgen und jeden Abend das Jungvolk einzeln und bequem mal eben vor die Box ziehen und betüddeln kann.

      Wobei es selbst in einem Laufstall, in dem nur zwei oder drei Jungpferde stehen, bislang kein Problem war, mal einen vor die Tür zu holen und zu putzen oder frisieren, denn es ist ja in Sichtweite der anderen und somit auch in der Sicherheit der Gemeinschaft ... nur in den Laufstall zu gehen und sich da nur mit einem Pferd zu beschäftigen ist keine gute Idee, weil man da zerfleddert und bedrängt wird, denn schließlich möchte jeder der Auserwählte sein und wie Karin das schrieb: Das hat nichts mit Ungehorsam zu tun, sondern das sind eben Kinder und wenn man ein Sandschippchen und Sandförmchen auf einen gut besuchten Spielplatz trägt und wartet, was dann passiert, wird man damit auch einen Streit fördern, weil plötzlich alle mit genau diesem Schippchen und genau diesen Förmchen spielen wollen und mit keinem anderen.

      Aber zurück zu den Pferdekindern.

      Aufgrund dieser nur teilweisen Gruppenhaltung und nächtlichen Aufstallung war es natürlich absolut kein Problem, Herzchens tiefe Wunde täglich zweimal zu behandeln, ohne dass sie Stress hatte, denn wenn sie rausgeführt wurde, war nichts anders, außer dass wir am Putzplatz kurz bremsten und die Wunde auswuschen und abends war eben auch wieder das ganze normale Programm, nur eben um das Wunde auswaschen erweitert. Natürlich war es aufregend für sie, als sie auf den Putzplatz das erste Mal Wasser aus dem Schlauch fließen sah, das dann auch noch über ihre Füße floss, aber nachdem die große Schwester dabei neben ihr stand und das sogar genoss, fand sie es auch o.k. und beim 3. Mal brauchten wir das Marzipanchen schon nicht mehr neben dran zu stellen, sondern Herzchen blieb auch alleine am Putzplatz stehen, weil sie wusste, was passiert und dass es auch nichts schlimmes ist, was sie erwartet.

      Auch die ersten Runden in der Reithalle drehen unsere Jungpferde immer erst mal nicht alleine, sondern mit einem erfahrenen Pferd, das einen beruhigenden Einfluss ausübt ... bei den Hengstchen geht das natürlich nicht, weil wir keinen Wallach haben, der mit ihnen laufen kann und den sie gut genug kennen, um ihm zu vertrauen, aber z.B. Leroy und Buggi stellten wir eben zusammen in die Halle, denn Leroy fand alles Neue spannend und regte sich nicht auf und Buggi fühlte sich dann sicher wenn Leroy bei ihm war.

      Der Vorteil war natürlich auch hier, dass beide Jungpferde es kannten, am Strick dem Menschen zu folgen und ihm zu vertrauen, weil sie täglich morgens rausgeführt und abends reingeführt wurden und somit war auch das in die Halle geführt werden keine große Veränderung und wurde mit Gelassenheit gemeistert.

      Ich habe ja den Vergleich zu den Junghengsten gesehen, die "aus der Wildnis" in die Vorbereitung zur Hengstauswahl geschickt wurden und die erlebten natürlich den ersten Kulturschock, als sie plötzlich in einer Einzelbox eingesperrt wurden, während Leroy sofort nach Heu suchte, den Trog inspizierte und befand, dass man sich auch wohlfühlen kann ... selbstverständlich hat er vorher dem frechen Nachbarn noch eben die Nase poliert, als der anfragte, wer hier der Boss sein soll.

      Klar ist jeder Ausbilder froh, wenn zumindest einige der zweijährigen Hengste schon das Grundprogramm aus dem FF beherrschen, wenn er sie zur Körung vorbereiten soll und er so Zeit gewinnt, die er in die "Wildpferde" investieren kann und ich war ganz ehrlich auch froh, dass unsere Hengstchen den Stallwechsel stets entspannt akzeptierten, denn um ein paar Kandidaten, die meistens laut wiehernd und verschwitzt durch die Box toben, mache ich mir schon Sorgen, ob die die Umstellung ohne Kolik oder Magengeschwüre überstehen und ich will in dem Moment auch nicht in der Haut des Ausbilders stecken, der zunächst mal beim rausführen sein Augenmerk nur auf die Sicherheit seiner Füße richten muss und noch weit weg davon ist, vernünftig mit den Pferden arbeiten zu können.

      Hier macht es sich sicher bezahlt, wenn man die Junghengste schon früh aus der reinen Gruppenhaltung in die teilweise Gruppenhaltung umstellt und sie so automatisch täglich beim raus- und reinbringen erzieht - und ein zweiter Faktor ist, dass die Tiere entsprechend ihrem Bedarf zugefüttert werden können und die Ration in aller Ruhe und ohne Futterneid fressen, während wir mit unseren reinen Offenstallpferden die Rationen auch zuteilten und die Pferde zum fressen anbanden, aber feststellen mussten, dass einige ihr Futter möglichst schnell herunterschlangen und dann angebunden nach einem Nachschlag scharrten und andere ängstlich rechts und links schauend kaum zum fressen kamen, vor lauter Angst, es nimmt ihnen einer was weg.

      In der Einzelbox hat das Pferd sicher mehr Ruhe zum fressen und auch ein rangniedriges Tier hat genügend Zeit für seine Portion Kraft- und Rauhfutter, während unsere "Ganzdraussen-Pferde" teilweise um ihr Heu kämpfen mussten und von einer Futterstelle zur anderen gescheucht wurden, kaum dass sie zwei Halme im Maul hatten.

      Ich will hier keinesfalls die von uns praktizierte Haltung als die allein seligmachende protegieren, aber ich habe die reine Offenstallhaltung ausprobiert -und ich meine die reine Offenstallhaltung, ohne dass man sein Pferd täglich einmal aus der Herde zieht und mit ihm arbeitet, sondern die Form der Jungpferdehaltung, bei der die Absetzer möglichst zeitgleich zusammengestellt werden und von da an in dieser Herde Tag und Nacht, Sommer und Winter zusammenbleiben bis sie in die Arbeit genommen werden und vom Menschen höchstens mal aufgehalftert werden, wenn der Schmied oder die Wurmkur fällig ist und ich habe die Haltung im Offenstall mit dreimal täglich zum Füttern anbinden, wobei einmal davon dann auch nach den Hufen geschaut wurde und nach eventuell zu behandelnden Verletzungen (die Pferde kannten also das aufhalftern, anbinden und berühren durch den Menschen) durchgezogen.

      Ich persönlich vermisste bei der ersten Variante den persönlichen täglichen Kontakt zu meinen Jungpferden, denn sie standen bei Bekannten ca. 45 Autominuten von uns entfernt und ich schaffte es höchstens einmal die Woche dort vorbeizufahren und ihnen die Nasen zu streicheln ... wobei sie darauf wohl auch hätten verzichten können, denn dass sie hocherfreut waren mich zu sehen fand ich nicht. Ich habe diese Lösung damals auch nicht aus der Überzeugung sondern aus der Platznot gewählt, weil wir zu jener Zeit 40 Pferde hatten, aber bei uns nur Raum für 30 vorhanden war. Da war ich natürlich froh, dass mir unsere Bekannten, die nur drei eigene Pferde hatten, aber gerade einen Hof gekauft hatten mit 12 Hektar Land und einem drei Hektar großen, fest arrondiertem, mit einer großen Schutzhütte versehenen Stück Weide anboten, unsere 8 Jungpferde kostenlos zu ihnen zu stellen ... aber mehr als ab und zu einen Rundballen Heu im Winter rauszustellen und nach dem Wasser zu schauen machten die Leute natürlich nicht und so kannten unsere Jungs nach zwei Jahren kaum etwas und alleine das aufhalftern war schon ein Desaster und das Verladen war ein Horror, bei dem sich dann noch einer der Jungs eine Verletzung zuzog, die zu behandeln dann eine wirkliche Herausforderung an jedem Tag bis zur kompletten Heilung war.

      Ich will nicht sagen, dass dies nun immer die Folge der ganzjährigen Gruppenhaltung sein muss, aber bei den teilweise renitenten und vor Kraft und Übermut strotzenden Hengstjünglingen habe ich mich nach dieser Erfahrung dann für die Offenstallhaltung entschieden, bei der ich doch zumindest zweimal täglich das Aufhalftern und das Hufe aufnehmen und das Berühren der Pferde üben konnte, denn was ich dem noch nicht so kräftigen kleinen Hänschen beibringe, das erspart mir die Diskussion mit dem 650 Kilo schweren und 1,68 m großen Hans zwei Jahre später.

      Bei den Stuten kann ich das nicht objektiv beurteilen, denn die zogen wir nie in reinen Gleichaltrigen-Gruppen auf, sondern immer nur in der Herde, wo sie von den Tanten und Müttern lernten und auch nur im Sommer ausschließlich draußen standen, während sie im Winter nachts in die Box oder in den Laufstall geholt wurden und so waren sie nie "echte Wildpferde" .

      Aber ich gebe auch zu, dass ich diese Form der Haltung inzwischen bevorzuge, weil es mir das Leben mit den Pferden erleichtert und ich doch das Gefühl habe, ohne werten zu wollen, dass sich die Umstellung vom Jungpferd zum Reitpferd dann etwas stressfreier gestaltet, denn die Absetzer, Jährlinge und Zweijährigen kennen z.B. die Reithalle von innen und sie ist ihnen auch später nicht fremd und sie kennen es aufgeladen und zur Weide transportiert zu werden und klettern vertrauensvoll in jeden Anhänger.

      Ich will keinesfalls ausschließen, dass auch ein relativ "wild" aufgezogenes Jungpferd sich nach kurzer Umgewöhnung problemlos in die neue Situation einfügt, aber ich sehe eben z.B. an Hibiska, dass sie sich in den zwei Monaten, seit sie bei uns ist ganz enorm zum Positiven verändert hat, aber im Gegensatz zu den Pferden, die bei uns aufwuchsen doch nicht immer so gelassen reagiert wenn das Pferd aus der Nachbarbox herausgeholt wird, wie die anderen das tun, die das eben vom ersten Lebenstag an kennen. Hibiska wurde im Offenstall quasi in die Herde geboren und hatte es nie gelernt, in einer Box alleine zu stehen und so bekommt sie noch immer jeden Morgen neue Herzattacken, wenn das erste Pferd rausgeführt wird und sie voller Panik annimmt, dass man sie nun im Stall vergessen könnte - solche Sorgen hatte Bambi noch nie und auch Cora und Marzi sind es gewohnt, dass man eben wartet, bis man dran ist und dann rauskommt, ohne dass man sich deshalb aufregt und keiner klebt so an der Herde und ist so unselbstständig wie Hibiska.

      Aber auch sie ist nur ein Beispiel das ich kenne und da ich selten Jährlinge kaufe und sich auch da meine Erfahrungen von den Gekauften mischen, ist es schwierig zu sagen, dass eben "das eiskalte Händchen" so scheu und panisch im Umgang mit Menschen war, weil er nichts kannte und Profi so top erzogen war, weil sich seine Züchter und der Aufzüchter so intensiv mit ihm beschäftigt hatten, denn jedes Pferd hat ja auch einen Charakter und Gene, die sein Handeln mitbestimmen.

      Also kann es durchaus sein, dass so ein "Wildpferd" sich problemlos in einer Einzelbox akklimatisiert und das Jungpferd, das die Einzelbox kennt, in einer neuen Umgebung panisch reagiert ... ich will darum keine Form der Jungpferdeaufzucht generell ablehnen oder als die allein Richtige ausrufen.

      Und nun zurück zum viel gehörten Einwand, dass man sehr wohl ein Pferd im Offenstall halten und es trotzdem sportlich nutzen kann.

      Das stimmt natürlich! Denn in der Regel wird das dreijährige Pferd aus seiner Jungpferdgruppe genommen und dann wird mit der Arbeit begonnen - und hier setze ich erneut mit meiner These an, denn wenn jemand sein Pferd dreijährig aus dem gewohnten Herdenverband kauft und noch beim Züchter anfängt es zu arbeiten und anzureiten, dann ist das sicher schwieriger, als es zu übernehmen, nachdem es die Grundkultur schon hatte und es dann in eine neue Gruppe und den Offenstall zu integrieren, wo der neue Besitzer in dem Moment noch die einzige Bezugsperson ist, dem es vertrauen kann, denn die anderen Pferde sind fremd und alle seine Freunde, die es aus der Zeit vom Züchter kannte und mit denen es die Weide teilte, die hatte es zurückgelassen - für dieses Pferd fängt das Leben quasi noch einmal bei Null an und der neue Besitzer ist die einzige Konstante, den es vor seinem Umzug schon kannte und der nun noch immer bei ihm ist.

      Das ist im Prinzip wie ein zweites Absetzen, denn man trennt die Tier von Gewohntem.

      Wenn ich Jungpferde zum Anreiten oder vorbereiten für Körungen wegbrachte, dann benahmen sie sich dort meist ganz anders als bei uns, wo sie aufgewachsen waren und ihre Freunde konstant um sie herum waren - mancher schüchterner Knabe wurde selbstbewusster, weil er nun in seiner Box allein der Chef war und keiner ihn dominierte und vom Futter vertrieb und so nutzte er die Chance für sich und wachte richtiggehend auf.

      Ich konnte auch ansonsten verfeindete Jungs zusammen aufladen und kaum waren wir vom Hof gefahren, da schien es, als ob die sonst so giftigen Streithähne sich zu einer Art "Notfreundschaft" zusammenfanden, denn offensichtlich war es ihnen lieber mit dem ungeliebten Kumpel in der Fremde zu sein, als ganz alleine.

      Zauberglück hier zu reiten ist immer ziemlich nervend, denn sie weiß ganz genau, dass während sie in der Halle schwitzen muss, die anderen Mädels draußen stehen und Spaß haben, also wiehert sie dauernd ihren Protest heraus und weil die Weiber antworten, konzentriert sie sich kaum und stolpert herum.

      Verlade ich das Pferd und fahre mit ihr in eine fremde Reithalle, dann ist sie ein Traum zu reiten, denn nun bin ich ihre Vertraute und weil sie weiß, dass sie sonst keine Freunde in der Nähe findet, nimmt sie eben mit mir Vorlieb und dann ist es ihr sogar egal, wenn ich sie reite - Hauptsache ich verlasse sie nicht auch noch.

      Weil ich genau solche Sachen immer wieder erlebe und dieser Aufzählung noch viele Beispiele hinzufügen könnte, denke ich, dass eben auch andere Pferde, wenn sie in ihrem alten Zuhause in einem Offenstall in einer über Jahre zusammengewachsenen Gruppe untergebracht gewesen sind und den Sattel noch nicht kannten und auch nicht den Reiter, dass es dann für den neuen Besitzer schwerer ist, sie dort dann anzureiten, ohne sie zeitweise aufzustallen, weil er als Mensch ihnen fremd ist und sie sich dann eher die Sicherheit der Herde suchen würden, als die des für sie fremden Menschen, der auch noch versucht sie zu reiten und damit für die komplette Verwirrung bei ihnen sorgt.

      Aber ist ein Pferd bereits geritten und kultiviert, dann verlangtest der neue Besitzer nichts von ihm, was es nicht schon kannte und weil es ihn schon in seiner vertrauten Umgebung kennen lernen durfte, ist es vermutlich wirklich froh, dass ihm neben all dem Neuen das es erfährt, nun wenigstens eine vertraute Person blieb.

      Wie nun ein bestimmtes Pferd aufgezogen wurde und ob man es jeweils aus der Gruppe holte, in der es aufgezogen worden war, um es mit den reiterlichen Aufgaben vertraut zu machen, um es nach der Arbeit wieder in die Aufzuchtgruppe zu stellen, oder ob es und die anderen Gleichaltrigen für die Zeit des Anreitens jeweils nachts aufgestallt wurden, damit man es als Ausbilder etwas leichter hat und sich nicht einen Klienten aus der Herde fischen muss, um mit ihm zu arbeiten, sondern ihn aus der Box ziehen kann, nachdem er abends reinkam oder bevor er morgens rauskommt, das weiß ich nicht - aber Fakt ist, dass wenn es nicht als vollkommen rohes Jungpferd aus einer Aufzuchtgruppe gekauft wird und man somit auch andere Voraussetzungen für die Offenstall - oder Gruppenhaltung hat, als diejenigen die ich bei meinen Betrachtungen über Jungpferdeaufzucht beschrieb, bei denen ich wirklich nur vom rohen Pferd ausging oder eben von einer Zuchtstutenherde, mit deren Mitgliedern man in der Regel nicht täglich regelmäßig arbeitet und sie auch nicht regelmäßig stundenweise aus der Herde holt.

      Natürlich kann man auch einen Dreijährigen in einer Gruppe halten und ihn anreiten, indem man ihn eben stundenweise zur Arbeit herausholt und dann zurückstellt, aber zum einen verweise ich hier wieder auf Karins Beitrag, dass es eben anders ist, wenn man sein eigenes Pferd aus einer Gruppe von Pferden diverser Besitzer holt, als wenn ich ein Pferd aus einer Gruppe von ausschließlich meinen Pferden hole, die alle den Anspruch erheben mitzukommen, weil sie annehmen, dass dem anderen sonst ein Vorteil entsteht, den sie nicht genießen dürfen und zum anderen ist es nach meiner eigenen Erfahrung eben unkomplizierter, wenn man noch grüne junge Pferde zumindest für erste Zeit, bis sie das "Kulturprogramm" erfahren haben nachts in eine Einzelbox stellt und nur tagsüber mit der Herde auf die Weide schickt, weil man dann alle Gruppenmitglieder reinholt, wodurch sich das Jungpferd erst mal auch sicherer im Stall fühlt und sich nicht auf die draußen gebliebenen und wiehernden Kumpels konzentriert, sondern seine Aufmerksamkeit mir schenkt.

      Und zum Alphapferd kann ich noch sagen, dass es tatsächlich gerade oft die Alphapferde sind, die sich als Therapiepferd eignen, denn ich schrieb es ja auch: Wer so einem Pferd eine Aufgabe gibt und mit ihm das gleiche Ziel verfolgt, der kann sicher sein, dass es auch den Ehrgeiz hat, sie möglichst perfekt zu erfüllen. Dabei kommt aber dazu, dass ein sozialisiertes Alphapferd – und ich spreche hier wirklich vom sozialisierten Alphapferd und nicht etwa von einem Halbstarken mit Profilneurose, der seine Macht dem überzogenen Selbstbewusstsein und den schnellsten Hinterfüssen mit der größten Treffsicherheit verdankt - seine Macht nicht missbraucht, indem es sich damit bestätigt, die Schwächeren zu knechten, sondern es nur diejenigen mit seiner Dominanz konfrontiert, die es herausfordern, aber ansonsten die Schwächeren schützt - übertragen auf den Reiter bedeutet das, dass sich das Alphapferd von dem Reiter, den es als gleich stark empfindet, herausgefordert fühlt und darum auch immer mal wieder antestet, wie die Aktien stehen und ob es sich nun wirklich den Regeln des Reiters unterwerfen muss. Hingegen wird es den Reiter, der es nicht herausfordert, sondern nur das nimmt, was ihm das Pferd anbietet mit der Großmut eines echten Alphapferdes behandeln, das es sich leisten kann, den sowieso in jeder Hinsicht Rangniedrigen nicht zusätzlich zu knechten, sondern ihn unter seinen Schutz zu nehmen.

      Ich hatte einen Wallach, mit dem kämpfte ich mindestens einmal in der Woche und teilweise wurden dabei auch Lektionen die sicher saßen zum Diskussionsgrund. Setzte ich mich dann nicht durch, oder ging ich dabei gar koppheister, dann lag ganz sicher eine Zeit vor mir, in der ich mich täglich neu durchsetzen musste. Natürlich war es aber, wenn wir uns einig waren und auf der gleichen Seite kämpften, eine Offenbarung dieses Pferd zu reiten und dann war es kein Problem, einen Parcours fehlerfrei zu schaffen, auch wenn ich nur Passagier war, denn dann waren wir uns über das gemeinsame Ziel einig und er hatte Spaß.

      Das gleiche Pferd trug unsere damals zweijährige Tochter wie ein rohes Ei und selbst in brenzligen Situationen, die er unter meinem Beritt sicher für einen Hopser genutzt hätte, war er sich seiner leichten und verletzlichen Last bewusst und verzichtete auf irgendwelche Kapriolen.

      Er war auch das Geländepferd meines Göttergatten und manchmal wenn die beiden von einem Ausritt wiederkamen und Micha mir erzählte, was sie so alles erlebt hatten, dann staunte ich sehr, denn in den gleichen Situationen, in denen mein Halbblüter mit Micha brav durchmarschierte ohne zu zicken, hätte er mich garantiert mit einem Ausraster herausgefordert.

      Genauso war auch Polar-Kristall, der mich dermaßen über die Bande beförderte, dass sie heute noch krumm ist an der Stelle, nur weil ich ihn beim Aufsteigen mit der Stiefelspitze auf der Kruppe berührt hatte, während ihm die Voltikinder bei der Fahne auf seinem Hals ihre Füße zwischen die Ohren schoben und ihn kitzelten oder auf der Kruppe sitzend über den Schweif von ihm herunterrutschten, ohne dass er nur gezuckt hätte ... aber mit mir und jedem der ihn herausforderte, musste er stets aufs Neue diskutieren und dabei konnte der bocken ... andererseits schleuste er die Kinder durchs Reitabzeichen, obwohl sie nur Beifahrer waren und gewann mit einer 10-jährigen Reitschülerin zahlreiche E-Springen, bei denen ein Richter mal sagte: "Die Reiterin konnte das Pferd nicht am Springen hindern"

      Ich habe also drei Möglichkeiten, wenn ich mein Fohlen aufziehen will:
      1. ich kaufe ein Pferd dazu, wobei ich anspruchsvoll bin, was die Aufzucht angeht und mag auch keine 6000 Euro für ein Fohlen ausgeben, das nie zugefüttert wurde.
      2. ich integriere mein Fohlen in die bestehende Herde und hoffe, dass sie dort eine Freundin findet, die natürlich leider nicht gleich alt sein wird, aber bei Bambi und Cora spielte das auch nie eine Rolle und manchmal sind Vollgeschwister die besseren Freunde als eine zusammengekaufte Zweckgemeinschaft.
      3. Ich gebe mein Fohlen in eine Aufzucht, aber das mag ich keinem Aufzüchter antun, denn da bin ich ja noch anspruchsvoller und pingeliger, als bei den zugekauften Fohlen.

      Es gäbe auch noch eine Möglichkeit Nummer 4 ... man bietet einen Aufzuchtplatz bei sich an, wenn man genügend Fläche hat. Ob ich allerdings dazu raten möchte, weiß ich nicht, denn ich habe sowohl sehr gute als auch sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht, wobei die guten Erfahrungen zwar bei weitem überwiegen, aber das ist halt wie mit dem Wein ... eine faule Traube verdirbt den Geschmack eines ganzen Fasses.

      Wichtig ist dabei auf jeden Fall, dass sich von einem Rechtsanwalt einen wasserdichten Vertrag ausarbeiten lässt, in dem ganz klar die eigenen Rechte und Pflichten geregelt sind, bzw. die Regeln und Pflichten des Fohlenbesitzers, und man eine Tierhüterhaftpflichtversicherung abschließt. Ich habe sogar immer zur Bedingung gemacht, dass bei mir untergestellte Fohlen lebensversichert oder sogar tierarztkostenversichert wurden, nur so bin ich sicher, dass im allerschlimmsten Fall keinem ein finanzieller Schaden entsteht.

      Ich habe auch immer auf eine tierärztliche Untersuchung bei Anlieferung bestanden, damit mir nicht später vorgeworfen werden konnte, dass das Pferd bei mir krank wurde, bzw. ich mir den ganzen Bestand verseuchte und mit den anderen Besitzern Stress bekam, weil ich ein krankes Fohlen mit den gesunden Pferden zusammenstellte oder ich eine Hufverstellung verantworten muss, die es bereits bei Anlieferung hatte ... man kann leider gar nicht so schlecht denken, wie manche Menschen sind, wenn sie einen Profit aus einer Sache ziehen können.



    Aktive Benutzer

    Aktive Benutzer

    Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

    Ähnliche Themen

    1. Erziehung von Junghunden
      Von red wings im Forum Allgemeine Themen
      Antworten: 5
      Letzter Beitrag: 10.09.2009, 17:02

    Besucher gelangten auf diese Seite bei der Suche nach:

    frecher jährling

    jährling erziehen

    absetzer pferd

    jährlinge erziehen

    absetzer erziehen

    wie alt ist ein jährling

    wie erziehe ich ein steigendes jungpferd

    absetzer beißt

    Wallach greift Absetzer an

    umgang mit absetzern

    ab wann jährling

    kann man absetzer schon in einem reitstall unterstellenartgerechte aufzucht jährlingeerziehung eines jährlingpferde jährling aufziehenabsetzer verladenpferd herde beißt andere weg wenn besitzer dabei warumrangniedere pferde aus der herde holenkastrieren bei herdenhaltungwie verlade ich ein rohes zweijähriges pferdpferd sozialisierenabsetzer wie in herde integrierenjungpferde herdenhaltungjährling ranghöchster in der gruppewie lange sind jährlinge jährlinge

    Stichworte

    Berechtigungen

    • Neue Themen erstellen: Nein
    • Themen beantworten: Nein
    • Anhänge hochladen: Nein
    • Beiträge bearbeiten: Nein
    •