Der erste Weg für Pferdebegeisterte führt meist in die Reitschule. Nah soll sie sein, gut erreichbar und möglichst preisgünstig, denn nur wenige Eltern sind bereit, 30€ oder noch mehr für den Reitunterricht ihrer Sprösslinge auszugeben. Die Pferde sollen nett und weich zu reiten sein, der Reitlehrer sowohl ruhig als auch verständlich erklären – aber woran erkennt man eigentlich die ultimative Reitschule? Es empfiehlt sich, sich zunächst völlig unverbindlich in der Reitschule umzusehen, wobei der Laie meist die entscheidenden Unterschiede kaum bemerkt. Wichtige Merkmale, die man sich vor Augen halten sollte, sind:

Wie sieht der Stall aus?

Kann man als Laie erkennen, ob die Pferde gut gehalten werden? → Helle Boxen, Fenster, Außenboxen, Paddocks (das sind kleine Auslaufmöglichkeiten, die mit den Boxen verbunden sind), Weiden, auf denen auch Pferde stehen

- Leben die Pferde gar ganztägig draußen auf der Weide in einem Offenstall?

- Wie sind die Möglichkeiten des Stalles?
Gibt es Halle(n), Plätze, Ausreitgebiete?

- Wie läuft der Unterricht ab?
Schreit der/die ReitlehrerIn herum oder erklärt er/sie ruhig und auch für Laien verständlich? Wie gehen die Reitschüler miteinander um? Ist der Unterricht auch für den Laien nachvollziehbar und lehrreich?

- Wie ist das Klima?
Wird man als Zivilisierter schräg angeschaut oder freundlich behandelt?

- Ist das Preis-Leistungsverhältnis gerechtfertigt?

- Wie wird auf die Sicherheit geachtet?
Vernachlässigt der Reitlehrer seine Aufsichtspflicht oder kontrolliert sogar die Länge der Steigbügel oder hilft beim Nachgurten?

- Wie sehen die Schulpferde aus?
Glänzt das Fell oder ist es stumpf? Sind die Augen klar oder trüb? Sind die Hufe zu lang?

- Wie sieht das Sattelzeug aus?
Ist es geschmeidig oder brüchig?

- Sind die Schabracken und Gebisse vollkommen verdreckt oder gepflegt?

- Haben die Schulpferde alle eigene Putzkästen mit vollständigem Zubehör?

- Kann man sich an herausragenden Nägeln in Wänden beispielsweise verletzen?

- Können sich die Pferde an oben genannten Nägeln verletzen?

- Wie sehen die Boxen aus?
Stehen die Pferde auf ihrem eigenen Mist oder haben sie glänzendes, frisches Stroh bzw. Sägespäne? Riecht der Stall nach Ammoniak, welches für die empfindlichen Atemwege der Pferde gefährlich ist, oder ist der Stall luftig und hell? Ist die Temperatur im Stall in etwa gleich mit der Außentemperatur?

Auch sollte man erfragen können, wie viele Stunden die Pferde täglich laufen müssen – mehr als zwei Stunden ist auf Dauer nicht nur für den Körper des Pferdes schädlich, sondern auch für seine psychische Verfassung. Diese Checkliste ist unabhängig von der Reitweise, denn eine Reitschule sollte sowohl das Bedürfnis des Pferdes als auch des Reiters gut abdecken können, gleich, ob er Englisch oder Western reitet.

„A, B oder C?“

(Anmerkung: Dieser Abschnitt bezieht sich lediglich auf die englische bzw. deutsche Reitweise.)

Nicht jeder darf Reitunterricht geben. Ein anerkannter Reitlehrer ist ein ausgebildeter Pferdewirt mit Schwerpunkt Reiten; diese Ausbildung hat mehrere Stufen (C, B und A) - je höher diese Stufe ist, desto länger wurde der Reitlehrer ausgebildet. Was aber nicht gleich heißt, dass ein A-Trainer besser sein muss als ein C-Trainer. Vergleichsweise können auch von der FN (deutsche reiterliche Vereinigung mit Sitz in Warendorf/NRW) ausgezeichnete Ställe eine unartgerechte Pferdehaltung aufweisen, wogegen kleinere, private Ställe in dieser Beziehung manchmal vorbildlicher sind.

„Wie teuer soll denn nun der Unterricht sein?“

Die passende Reitschule ist nun also gefunden, doch auch preislich gibt es himmelweite Unterschiede: Nimmt die junge Studentin, die sich nebenbei ein bisschen Geld verdienen will, nur 8€ die Stunde, so gehen erfolgreiche Turnierreiter, die ihr Wissen und Können an den „Nachwuchs“ weitergeben wollen, nicht einmal für 40€ in die Bahn. Was ist denn da nun der Mittelwert? Ganz einfach gesagt: Es gibt ihn nicht. Guter Reitunterricht kann sowohl 10 als auch 20€ kosten. Man sollte immer bedenken, dass man nicht nur einen zweibeinigen Lehrer hat, sondern auch einen vierbeinigen, der unter Umständen unter der „Massenabfertigung“ leidet. Ein guter Reitunterricht sollte lehrreich als auch fordernd sein, der Reitlehrer sollte loben wie tadeln können und auch Fehler aufzeigen und korrigieren können. Wichtig ist, dass die Pferde gesund sind und Freude an den Tag legen und dass man sich als Reiter wohlfühlt – dies kann sowohl im robusten Ponystall als auch im noblen Landesgestüt der Fall sein. Auch Empfehlungen aus dem Freundeskreis können auch beim Einstieg in die Reiterei helfen.

Da hilft letztendlich nur eines: Wenn einem die Reitschule zusagt, macht man am besten einen „Schnuppertermin“ aus, manchmal ist ein solcher Unterricht sogar kostenlos, und schaut danach, ob einem die Reitschule immer noch gefällt – vielleicht war dies ja der optimale Einstieg in die Reiterei?

(c) Brillenschlange, dgT'09