Der Barhuf
Wie bereits im Wiki ‚Gesunde Hufe’ angesprochen, ist ein Barhuf für das Pferd die einzige natürliche und tendenziell vernünftigste Art der Hufbearbeitung.
Es gibt kein ‚Mein Pferd kann das nicht’.
Jedes Pferd kann es, wenn der Ehrgeiz des faulen Menschen zwischen Turnierterminen und egoistischem Ausreiten in der Übergangsphase und dem darauf folgenden Geplärre „Mein Pferd läuft fühlig!“ nicht ständig im Weg stünde.
Sieht dieses Pferd aus, als hätte es Schmerzen?
Sicher nicht. Es zeigt einen Araber, der im Schmiedemund wohl immer schlechte und zu kurze Hufe haben wird. Der Araber dort sieht mir aber eher nach einem Leistungsbereiten Pferd mit Feuer aus, dass mit jedem Boden einverstanden ist.
Und der Boden dort ist scharfkantiger Schotter!
Schlecht sehen die Hufe jedenfalls nicht aus!
Die korrekte Form – Anleitung zur Grobeinschätzung
Ob nun beschlagen oder roh, mit folgenden Informationen kann jede Person einmal nachschauen, ob die Gelenke etc. korrekt ausgerichtet sind.
Dafür benötigt wird ein großes Geodreieck, ein gerader, unflexibler aber nicht allzu langer Gegenstand, sowie ein Maßband.
Damit wir einander gut genug verstehen und auch die Begrifflichkeiten geklärt sind, hier eine kleine Übersicht über den Aufbau des Hufes:
Für alle Messungen stehen wir seitlich vom Pferd und dieses geschlossen und gerade.
Nimm dir zuerst ein Maßband und miss den Abstand zwischen dem Fesselgelenk und dem Ballen auf einer dem Boden parallelen Linie. Wir messen nun den Abstand des Hufes vor dem Fesselgelenk.
Das sieht in etwa so aus:
Bei dem rechten Bild ist der Abstand gering und die Fessel zeigt eine gesunde Winkelung, die ohne Knick ins Hufbein übergeht. Dazu aber weiter unten mehr.
Das Bein auf dem linken Bild ist definitiv negativ zu bewerten. Dieses Pferd könnte zur Durchtrittigkeit und Überdehnung der Bänder und Sehnen neigen.
Als nächstes schauen wir uns an, ob das Fesselgelenk mit dem Hufbein auf einer Linie liegt.
Das wäre wünschenswert, wenn die sonstigen Winkel etc. passen. Steht das Fesselgelenk steiler oder flacher als das Hufbein, kann hier eine Rotation hervorgerufen werden.
Dazu legen wir unsren unflexiblen Gegenstand relativ mittig und parallel an das Fesselgelenk bis zum Huf hinab und schauen, ob auch die vordere Hufwand mit dem Gegenstand parallel ist.
Siehe 3 Beispiele:
Bild 1 zeigt schon fast eine gerade Linie. Trotz der falschen Winkelung der Trachten, die eine Überbelastung dieser hervorrufen, ist hier das Hufbein nicht angegriffen. Dennoch muss an den Trachten gearbeitet werden, da sich diese sonst unterschieben können.
Bild 2: Die Zehenlinie ist zu spitz im Vergleich zur Fessellinie und die Trachten zu flach und zu lang. Der Beschlag ist zu knapp (endet knapp mit der Trachtenwand). Die Sehnen werden hier immens beansprucht! Die Zehe muss gekürzt werden.
Bild 3: Die Zehenwand ist konvex und damit ebenfalls zu spitz. Je weiter Sie nach unten wächst, desto spitzer wird diese. Im oberen Bereich sind Trachten- und Zehenlinie parallel! Allerdings sind beide Linien deutlich flacher als die Fessellinie! Die Zehenwand muss von außen stark gestreckt und von unten immens gekürzt werden, um eine gesunde Winkelung zu erreichen.
Anhand des folgenden Bildes kann man noch einmal die Parallelität der Zehen- und Trachtenlinie sehen. Die Dunkelgrüne Linie zeigt den eigentlichen Wachstumsweg des Zehs an, mit welchem der Huf eine korrekte Form erhalten würde.
Gehen wir zum 3. Messbereich, die Winkelung am Huf selbst bzw. die Sohlenform.
Wir möchten gerne wissen, über welche Länge des Hufes unser Pferd uns trägt (Tragerand). Dazu schauen wir unter den Huf und messen den Abstand des 1. und des Letzten Berührungspunktes des Hufes. Betrachtet man nun den Huf wieder von der Seite, kann man den Abstand beider Punkte gerade messen und erhält die Länge der Tragfläche.
Für ungeschulte Augen ist das vllt. etwas schwer genau zu bestimmen, daher ist es praktisch mit der Raspel den Huf etwas zu bearbeiten an der Sohle und dann ein paar Schritte auf festem Steinboden zu gehen.
Ebenfalls immens wichtig ist die korrekte Winkelung der Einzelnen Huflinien, und die dadurch selbstverständlich resultierende korrekte Winkelung des Fesselgelenks.
Dazu wird die Winkelung von der Zehenwand zur Bodenlinie und von der Bodenlinie zur Trachtenlinie gemessen.
Hier scheiden sich auch die Geister, welche Winkelung wirklich korrekt ist.
Allgemein sind folgende Werte angegeben: Vorne 45-50° und hinten 50-55° von der Zehenwand zur Bodenlinie.
Bei vielen Pferden kommt das jedoch nicht hin, daher wurden die Werte etwas modifiziert:
Vorne 52-56° und Hinten 54-58° Winkelung.
Nachfolgend sehen wir ein Bild von ein und demselben Huf im Abstand von 6 Monaten vom 1. bis zum 2. Bild. Man kann hier erkennen, dass sich die Hufform immens verbessert hat: Die Trachtenbreite, die immens wichtig für das Pferd ist, hat sich in den 6 Monaten stark geweitet. Schmale Trachten weisen auf eine niedrige Trachtenhöhe hin (später mehr dazu). Man sieht hier insgesamt eine Weitung der Trachtenbreite und eine Verkürzung des Abstandes zwischen den Trachten und dem Ballen. Beides sind positive Veränderungen für den Huf.
Wie bereits beschrieben ist der Abstand zwischen Hufballen und Trachten sehr wichtig. Die Trachten geben dem Hufballen halt. Ist die Distanz zwischen beidem zählbar groß, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass die gesamte Hufkapsel verrenkt oder verdreht ist. Dass das schädlich ist, muss ich denke ich hier nicht noch einmal gesondert erwähnen.
Sowohl eine zu hohe als auch eine zu niedrige Trachte sind nicht gut für das Pferd. Ist die Trachte zu niedrig könnte das auf eine zu schwache Unterstützung des inneren Gewebes hindeuten, ist die Trachte zu hoch, könnte es passieren, dass der Strahl keinen Bodenkontakt mehr hat. Es ist mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen, dass auch der Strahl ein geringes Maß an Gewicht tragen kann, darf und sollte.
Hier sehen wir 2x denselben Huf im Abstand von 1 Jahr, und einen anderen.
Wichtig neben der Hufwinkelung ist nämlich auch der Vergleich zwischen Huf- und Trachtenwinkelung. Beträgt der Unterschied mehr als 10°, weist das schon auf zu kurze/zu lange Trachten hin.
Die Trachten der ersten beiden Bilder sind deutlich zu niedrig, aber es zeigt sich eine Verbesserung im Abstand zwischen Trachten und Ballen!
Das letzte Bild zeigt eine wesentlich bessere Trachte als in den vorigen.
(c) Silberfeder '09
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