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  • Ergebnis 1 bis 17 von 17
    1. #1
      Elchbine
      Gast
      Kein Status
       
      Ich bin:
      Keine Stimmung
       

      Reitsport im Wandel der Zeit

      Reitsport im Wandel der Zeit


      Als ich mich vor 30 Jahren zu meiner ersten Reitstunde anmeldete, sattelte der Pferdepfleger das Schulpferd Argo das erste Mal für mich. Mehr oder minder geduldig erklärte er mir die Riemen und Schnallen des Lederstückes, dass er dem Wallach ins Gesicht gehängt hatte: Genickstück mit Backenriemen – Schnallen nie öffnen! Kehlriemen am Genickstück - zum auf und abtrensen öffnen. Stirnband – drin lassen. Nasenriemen – seitliche Schnalle nie öffnen! Kinnriemen – zum auf- und abtrensen öffnen. Alle anderen Schnallen bleiben zu! Er deutete bei seiner Erklärung auf das jeweilige Teil des Zaumzeuges und meinte abschließend: „Solltest du trotzdem etwas anderes aufschnallen, als die beiden K-Riemen, nämlich Kehl- und Kinnriemen, kannst du zusehen, wie du die Teile hinter her wieder zusammenkriegst. Ich habe ich keine Zeit, euch Anfängern immer das Sattelzeug wieder zusammen zu setzen, weil ihr zu doof seid euch zwei Sachen zu merken!“

      Natürlich trat seine Prophezeiung ein. Argos Kopfstück war in Einzelteile zerlegt nach dem ich es ihm ausgezogen hatte. Zum Glück waren wenigstens das Genickstück und der Kehlriemen fest verbunden, sonst hätte sich der sich Nasenriemen und die Backenstücke welche sich zusammen mit Zügeln die an den Trensenringen baumelten und ein hübsches Stilleben lieferten, doch weniger einsam gefühlt.

      Kleinlaut präsentierte ich die Bescherung dem Pfleger, der daraufhin nur meinte: „ Was ein Segen, dass wenigstens der Sattel, abgesehen von den Bügelriemen und dem Sattelgurt aus einem Teil besteht, sonst hätte ich gar nichts anderes mehr zu tun, als zu basteln.“

      Heute wäre das Betreuen der Anfänger beim fertig machen und „aufräumen“ der Pferde ein Ganztagsjob. Nein, nicht etwa weil so viele Menschen täglich den Reitsport für sich entdecken. Es hängt nur mittlerweile so viel „Gedöns“ am Pferd, dass selbst der fortgeschrittene Reitschüler Mühe hat, alles so zu verschnallen, dass das Pferd sich trotzdem noch bewegen kann. Zumal in manchen Vereinen sich die Unsitte verbreitet hat, Hilfszügel, wie z.B. den Ausbinder schon auf der Stallgasse ein zu schnallen, was die Balancestange Pferdehals natürlich außer Kraft setzt und einen Sturz bei etwaigem Verlust des Gleichgewichtes unausweichlich macht.

      Nicht nur die Schulpferde werden zur Sicherheit des unsicheren Reiters mit Hilfsstricken gefesselt und geknebelt. Auch die Fortgeschrittenen grenzen den Stallmut ihres Pferdes gerne mal mit Martingal, Thiedemann-Kombination, Schlaufzügel, Gogue, Chambon und sonstigen interessanten Konstruktionen ein. Künstler zwischen Oxer und Tripelbare stehen dem natürlich auch nicht nach. Abenteuerliche Gebisskombinationen, wie z.B. Springkandare mit Hackemore, werden ergänzt durch Vorderzeuge mit Ringmartingalen, die den Zügel in der Art „brechen“, dass er in V-Form den Trensenring mit der Reiterhand verbindet. Das Gewicht des Leders am Pferd, scheint heute mehr zu wiegen, als das Pferd selbst.

      Die Viereck-Akrobaten schonen ihre Reittiere auch nicht eben. Arbeit an der Hand bekommt einen ganz neuen Stellenwert. Aufsatzzügel, Dreieckszügel und Stoßzügel vorne halten den Kopf am richtigen Platz. Doppellonge und Hintergeschirr aktivieren das Hinterbein. So zum Postpaket verschnürt, fehlt nur noch eine Briefmarke und das gute Tier ist versandfertig.

      Wie arbeitete man früher sein Reittier als es noch keine Myler-Gebisse und Longierhilfen gab, die einen drei-Tägigen Spezialkurs zur Anwendung erfordern. Mal ehrlich, wissen sie, ohne die Gebrauchsanleitung zu lesen, wie rum so ein Korrekturgebiss ins Pferdemaul gelegt wird?

      Was hatten wir es damals einfach. Die Frage, welche Trense in die Backenstücke geschnallt wurde, stellte sich eigentlich nicht wirklich. Höchstens Olivenkopf- oder Wassertrense stand zur Debatte. Für die Pfefferstoßer im Viereck Kandare mit Unterleger. Auch die Materialfrage war schnell gelöst. Edelstahl hohl oder massiv, vielleicht auch mal Gummi – aber das schon ganz selten. Heute hat man die Qual der Wahl zwischen Gummi, Kunststoff mit und ohne Apfelgeschmack, Nathe, Edelstahl rostfrei, verrostetes Eisen – im Fachjargon Sweet Iron -, Argentan, Aurigan mit Edelstahlringen und Auriganringen... habe ich etwas vergessen? Ach ja das neurotische, nein, merothische Ledergebiss für die Softies unter den Equiden.

      Selbstverständlich ist auch die Formgebung der Modelle immer den aktuellen Erkenntnissen der Forscher zum Wohl des Pferdes angepasst. Vielleicht auch zum Wohl des Geldbeutels der Reitsporthersteller. Jedenfalls müssen sie nicht erwarten, dass das an der Hansepferd gekaufte Pessoa-, Conrad- oder KK-Gebiss an der Equitana noch aktuell ist. Dazwischen gibt die Spoga in Köln, die Messe für den Reitsportfachhandel die Trends vor und setzt Maßstäbe rund ums Pferd. So ist die im Frühjahr für fast 200 Euro erstandene DS (Dressage Spezial)Kandare aus der KK Kollektion im Herbst bereits ersetzt durch die individuelle „Puzzle“-Kandare Sprenger Multi, bei der nicht nur die Stange austauschbar ist, sondern auch die Neigung der Zungenfreiheit im Maul des Pferdes veränderbar. Wen wundert da, dass der gute alte Sattelschrank immer mehr zum Waffenschrank mutiert. Was dort an metallischen „Pferdebremsen“ lagert ist an Wert bald mit dem Inhalt eines gut gefüllten Banksafes vergleichbar.

      Bin ich nun antiquiert, wenn mein englisches Reithalfter sich nicht durch eine schwedische Rollschnalle verschließen lässt? Schon der Abschied vom guten alten hannoverschen Nasenriemen kostete mich Überwindung. Dem Pferd zuliebe, dessen anatomische Konstruktion des Kopfes die Nasentrompete ausgerechnet an der Stelle vorsieht, wo das Nasenband lag, kaufte ich ein neues, bei dem ich mich nicht als Tierquäler fühlen muss und die Gefahr banne, dass mein Pferd während des Ausrittes erstickt. Trotzdem bin ich immer noch der Ansicht, dass das hannoversche Reithalfter, korrekt mit einem Finger Luft am Kinnriemen und einer knappen Hand über dem oberen Nüsternrand, keinem je den Atem geraubt hätte. Oder auch nicht mehr, als ein festgezurrter Sperriemen, der zur Bändigung unerwünschter Maultätigkeit dem englischen Reithalfter beigefügt wird. Man will ja schließlich nichts dem Zufall überlassen! Apropos Verschnallung: das Mexikanische Reithalfter ist auch nicht mehr das, was es mal war. Erst vor kurzem bat mich eine Reitkollegin ihr beim anpassen eines solchen zu helfen. Aber wie wir auch kreuzten und schnallten, die vier Riemen, welche aus dem fellunterlegten Mittelstück lugten, fanden nicht zu einander und waren immer viel zu lang. Die Arme ritt dann ohne Nasenband, bis wir in einer Fachzeitschrift zufällig sahen, dass die oberen Lederstücke nicht wie einst zwei Finger breit unter, sondern direkt über dem Jochbein zu liegen haben und unter den Ganaschen geschlossen werden. Zum Glück hatte meine Bekannte die überständigen Lederbänder noch nicht abgeschnitten. Wieder was gelernt.

      Nach wie vor bin ich aber auch der verstaubten Meinung, dass ein nach den Richtlinien zur Ausbildung des Pferdes seinem Alter entsprechend gearbeitetes Tier auch mit konventionellen Gebissen, Reithalftern und sonstigem Lederzeug in der Lage sein sollte, ausbalanciert in allen drei Grundgangarten und über den Rücken schwingend an die Reiterhand heran zu treten.




      Was jedoch auf den Turnierplätzen geboten wird reicht von Rollkur, wahlweise mit und ohne Schlaufzügel bis Flexen, was mich ungemein an überzogenes „Riegeln“ erinnert, das bei uns noch mit „rechts und links abstellen zum Lösen der Halsmuskulatur“ schön geredet wurde. Wie immer man es nennen mag, es war zu meiner Zeit verpönt.

      Auch Sinn und Unsinn des Schlaufzügels wurde reichlich diskutiert. Ich spreche diesem Hilfszügel seine Berechtigung bei der Korrektur von falsch gerittenen Pferden nicht ab. Aber in einer weniger kurzlebigen Zeit in der nicht endlos Nachschub zu Schnäppchenpreisen zu bekommen war, hatte man die Muße den Remonten auch mal noch ein Sommer Weide zu gönnen, wenn sie im Frühjahr dreijährig unter den Sattel kamen. Im Herbst, wenn die Pferde gut dreieinhalb waren, fing man mit der Ausbildung an. Schließlich hatte man mit dem künftigen Sportkameraden in die Zukunft investiert und wollte noch lange was von haben. Vierjährig dann die erste Materialprüfungen. Mit fünf dann A-Dressuren mit Gehorsamssprung, der manche Platzierung verhinderte. Eignungsprüfungen oder Aufbauprüfungen gab es nicht. Und es war auch nicht jedes Wochenende ein Turnier in der Nähe, das man besuchen konnte, so man Auto und Anhänger zur Verfügung hatte.

      Es war sicherlich nicht alles schöner, besser oder toller. Aber der Wert oder die Wertigkeit des Pferdes wurde höher geschätzt. Zumindest von den Amateurreitern. Wenn das Pferd bei L begrenzt war, ritten wir eben L und übten in stiller Hoffnung weiter. Auf die Idee, das Pferd zu wechseln, kam keiner meiner Reiterkameraden. Viele hatten ihr Pferd als rohen Dreijährigen gekauft und machten sich die langjährige Arbeit es selbst auszubilden. Ein Pferdeleben lang behielt man es, das mehr Freund als Sportpartner war und gewährte ihm nach dem Gnadenbrot auch ein würdiges Sterben. Auf die Idee, den alten Kämpen „als Beisteller in gute Hände“ ab zu geben, weil man zu feige war, ihn auf dem letzten Weg zu begleiten, wäre ich nicht gekommen und auch keiner meiner Vereinskollegen.

      Aber die Überlegung kommt mir nun, wurden die Sportpferde damals älter? Und das obwohl die Tiermedizin noch nicht so fortgeschritten war und die Futtermittelindustrie noch nicht für jeden Pferdetypus eine spezielle Müslimischung bereit hielt. Wie hielten eigentlich die Eisen, bevor Zusatzfuttermittel mit Biotin und Zink für gesunden Hufwachstum sorgten? Damit kein Missverständnis entsteht: Ich stelle mich dem Fortschritt nicht in den Weg, wenn er den Pferden zu Gute kommt. Vieles ist mit den Jahren besser geworden. Die Haltungs-bedingungen räumen den Tieren mehr Bewegungsfreiheit und ein artgerechteres Leben ein, als die reine Boxenhaft auf 3 x 3 Meter oder gar die Anbindeständer, in dem unsere Schulpferde vor 40 Jahren noch standen. Vieles rund ums Pferd ist heute leichter, einfacher oder zeitsparender. Auch die Sicherheit von Reiter und Pferd ist nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten vor einem Vierteljahrhundert.

      Trotzdem habe ich das Gefühl, dass der Partner Pferd immer weniger im Mittelpunkt steht. Die Degradierung zum Sportgerät, das bei Fehlfunktion oder Unbrauchbarkeit ersetzt wird, ist immer spürbarer. Dabei gibt es doch gerade in den letzten Jahren vom Tierheilpraktiker über Rehazentren bis zum weitreichenden Angebot der Pferdetrainer die mit Join up und ähnlichem die Pferdeseele heilen so viele Möglichkeiten wie nie, die Equiden glücklich zu machen. Reitsport im Wandel der Zeit
      Geändert von Silberfeder (09.10.2011 um 11:10 Uhr) Grund: Texteingabe doppelt Erfolgt

    2. #2
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      Avatar von crinblanc
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      Doppelt... ;)

      im großen und ganzen unterschreib ich das- wobei ich wohl eine der ersten war, die das neurotische Gebiss ausprobiert haben (und auch das zugunsten eines hannoverschen RH wieder ausgeschnallt, mein Pferd fand Leder im Maul eklig...)- allerdings wurde ich im damaligen FN-Nobelstall damit dann vollends zum UFO- nicht, weil damals alle Nichtierquäler das englisch kombinierte hatten- sondern weil ich nur das RH ohne Restrense verwendet hab- das war vor knapp 25 Jahren noch seeehr exotisch.

      Trotzdem stimmt es mich auch nachdenklich, wie viele Sachen am und ums Pferd neuerdings repariert werden "müssen", ohne je kaputt gewesen zu sein.
      Ich find das ausgesprochen anstrengend....
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    3. #3
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      Avatar von Silberfeder
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      Ich hab es mal editiert ;)

      Irgendwie bin ich ja froh, dass ich diese "alten" Zeiten nicht erlebt habe - sonst würde ich wohl traurigerweise ähnliche Vergleiche ziehen (müssen).
      Wobei ja auch in den letzten Jahren immer weiter der Reitsport sich verändert hat - zugegebenermaßen zumindest im Freizeitbereich oft ins Positive.

      Während früher die Leute noch nicht groß Ahnung über Anatomie etc. hatten, eröffnet sich heutzutage für jeden die Möglichkeit, sich zu informieren, und falsch gelerntes zu korrigieren, in dem man liest, wie es sein sollte. So kommt es, dass die Geländepferde heutzutage vermehrt gymnastiziert werden.

      Die Tage noch sah ich die Olympia von vor... 20? 30? Jahren.
      Unzählige Stürze, überhetztes Reiten, unpassendes Anreiten ans Hindernis. Heutzutage wird viel mehr darauf geachtet, die Hindernisse sicherer zu machen, und auch die Reiter sind sicherheitsbewusster geworden. Aufhängungen der Stangen wurden so angepaßt, das beim Anticken die Stange ideal fällt - nicht mehr zwischen die Beine des Tieres.

      Ich bin sehr gespannt, wie sich alles noch entwickeln wird. Ich gehöre zur "neuen" Generation, ich bastel fürs Pferd bis auf den Sattel eigentlich alles selbst - früher wäre das undenkbar gewesen.
      Bleibt abzuwarten, ob man in 10-20 Jahren nicht seine Sättel selbst macht ;)
      ~* Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als
      sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: "Nein!" *~
      Tucholsky

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    4. #4
      Queen of the Flies
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      Avatar von crinblanc
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      Es war ganz sicher nicht alles besser- und ich wie gesagt damals schon (auch durch meinen französischen Werdegang) die absolute Ketzerin im FN-Stall- bloß seh ich mittlerweile auch durchaus Risiken und Nebenwirkungen in der schönen bunten Welt der duftenden Müslis, pinkfarbenen Himbeergebisse und Gurus.

      Irgendwie hab ich den Eindruck, daß es viele Besitzer darin bestärkt, nicht selber Verantwortung für das, was sie tun, übernehmen zu müssen.

      Sprich: Ich hatte Kundinnen, da hätte ich für vierstellige Beträge TK´s, Akupunkturen und BB-Therapien einleiten können- hätte ich nicht ihre Wendywelt mit dem Rat gestört, doch mal RU bei einem guten Trainer zu nehmen und den tollen Tiefsitzer, der die Damen zwar in einen gefällige Pose setzte, durch die Keilkissen aber die Wucht ungebremst auf die langen Rückenmuskeln umleitete, auszutauschen.

      (Reich wird man so nicht- aber man bleibt sich treu... ;)
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    5. #5
      Elchbine
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      Darum habe ich die Tierheilpraxis schlussendlich aufgegeben, denn ich verzweifelte daran, dass ich stets reparieren musste, was die Menschen an ihrem Pferd verbrachen ... nicht alle waren dabei ignorant, manche liebten ihre Pferde aber quasi zu Tode. Meist verbindet so ein Tier ja eine Lebensaufgabe mit dem Menschen und wenn sie nicht verstehen können, dass das dreitte hermetische Gesetz lautet: wie innen so außen und sie demzufolge ihre Probleme aufs Pferd übertragen, dann brauche ich auch nicht anzubieten, dass sie die gleichen Bachblüten nehmen sollten, wie ihr Pferd die bekommt ... mir geht es dabei jetzt aber besser.

      Liebe Grüsse
      Sabine

    6. #6
      Queen of the Flies
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      Avatar von crinblanc
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      Take 5! lach- ich hab mir auch einen Nebenher-Überlebenssicherungsjob gesucht, der nicht das geringste mit Pferden oder sonstigem Viehzeugs zu tun hat.

      Genau deshalb.

      Da kann ich reingehen, meine Stunden runterreissen (ist praktischerweise nachts, kollidiert also nicht mit meinem Privatzoo)- und wenn ich rauskomm, geht mir das alles am Hintern vorbei.. ungeheuer erholsam, auch wenn´s keiner versteht.
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    7. #7
      Elchbine
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      Ich kann Dich nicht nur sehr gut verstehen, sondern mache exakt das Gleiche ... nur befürchte ich, dass ich damit in die falsche Richtung unterwegs bin und mir die Chance nehme, mein Leben wirklich zu verändern.

      Das Problem ist eben immer nur die Angst, dass wenn man sich nicht mehr vom Materiellen beherrschen lässt, die Tiere darunter leiden könnten und schon hat mich die Vernunft wieder im Griff ...

      Liebe Grüsse
      Sabine

    8. #8
      Queen of the Flies
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      Avatar von crinblanc
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      Dito.

      Genau das ist bei mir auch immer im Hinterkopf- wobei ich mein Leben grad gar nicht zwingend veränderungswürdig finde- klar ist Alltag Alltag, klar gibt´s Durststecken, aber- wenn ich zurückdenke, gab´s sowas immer, egal was ich gemacht hab, egal, wo ich war.

      Momentan freu ich mich eher an dem, was ich vor der Tür hab, und versuch nicht mehr krampfhaft, "Sinn zu machen".
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    9. #9
      Elchbine
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      Ich würde den Sinn trotzdem gerne erreichen und orientiere mich an den Worten Edward Bachs, der sinngemäß schrieb, dass die Heilung im Ursprung liegt und je weiter wir uns von ihm wegbewegen, desto unheilvoller wird es. Meine Gedanken sind dabei zum Beispiel bei Steve Jobs, der wohl alles erreicht hatte, was man im Allgemeinen mit Erfolg verbindet, aber seine lange Krankheit und sein früher Tod beweist, dass er dabei nicht glücklich wurde. Zeitgleich mit der Meldung seines Todes wurde ein Fernsehbericht über die Menschen in China gezeigt, die seine Waren herstellen ... sie leben trotz ihrer Arbeit nahe der Armutsgrenze und baten wohl irgendwann einmal, als Apple wieder Milliardengewinne machte, ihren höchsten Chef darum, doch bessere Löhne zu bezahlen, um auch sie etwas vom "Apple-Kuchen" abhaben zu lassen ... ihre Arbeitsbedingungen blieben gleich und sie verrichten nach wie vor moderne Sklavenarbeit für einen Hungerlohn. Für mich ein Grund, nicht einmal über die Anschaffung eines Apple-Systems nachzudenken, denn das ist für mich nicht unterstützenswert. Aber was ich eben auch überlege ist, dass irgendwo eben vielleicht doch sein Gewissen ihn krank machte, der Materialismus aber gewann, obwohl er wusste, dass er den falschen Weg geht.

      So - nun bin ich sowas von off topic, dass ich mal schnell einen Punkt hier setze. ;-)

      Liebe Grüsse
      Sabine
      Geändert von Elchbine (10.10.2011 um 10:55 Uhr)

    10. #10
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      Avatar von Elly
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      Für mich ein Grund, nicht einmal über die Anschaffung eines Apple-Systems nachzudenken, denn das ist für mich nicht unterstützenswert. Aber was ich eben auch überlege ist, dass irgendwo eben vielleicht doch sein Gewissen ihn krank machte, der Materialismus aber gewann, obwohl er wusste, dass er den falschen Weg geht.

      Und ich will nicht wissen wo Microsoft produzieren lässt ;).

      Dass die Leute in China ausgenutzt werden liegt aber auch (und ich behaupte zum größten Teil) an Chinas Regierung selbst. Deren Wachstum geht ausnahmslos auf die Kosten der Unterschicht. Man kann Wirtschaft, Umweltschutz und Humanität nicht unter einen Hut bringen. Das geht einfach nicht. Entweder man entscheidet sich dazu Geld zu machen auf Kosten anderer (sei es die Natur oder Menschen in Entwicklungsländern), oder man macht etwas bodenständig(er)es und verdient wenig.

      Steve Jobs war in meinen Augen ein großartiger Mann & er hat unsere Welt grundlegend verändert. Wer sagt dass er nicht glücklich war bis zu seiner Krankheit? Der Fakt dass er nun an Krebs gestorben ist beweist für mich nur, dass wir alle ausnahmslos sterblich sind & das unser Leben jeder zeit von jetzt auf gleich anders sein kann. Egal was wir sind, wer wir sind und wie viel Einfluss wir haben oder wie viel Geld wir verdienen.




      Aber zurück zum Thema.

      Ich glaube der Breitensport „Reiten“ entfernt sich immer mehr von den klassischen Grundsätzen. Das finde ich schade. Meiner Meinung nach sollte das Reiten wieder mehr als Kunst angesehen werden, nicht als Sport.

      Heute werden dem Reiter Möglichkeiten eröffnet. Der eine nennt sie „Gurus“ der andere „Reitmeister“ oder der nächste „Pferdtrainer“. Ist doch vollkommen egal! Fakt ist, dass verschieden Meinungen aufeinander prallen, Methoden und Wege eröffnet werden, die vor Jahren undenkbar waren.
      Nicht jeder Weg ist richtig nicht jeder ist sinnvoll, aber besser als wenn jeder Reiter sich sklavisch an irgendwelche FEI -Richtlinien halten muss weil ihm die Gegenseite, die andere Sichtweise, gänzlich fremd ist.
      Immer mehr Leute orientieren sich an alten Meistern oder versuchen im Sinne des Horsemanship mit ihren Pferden glücklich zu werden.
      Die einen schwören auf Sally Swift , die anderen auf Tellington’s T-Touch oder Pat Parelli. Wieder andere besuchen Kurse von Philippe Karl & einige reiten Aufgaben nach FN-Lehrbuch. Im Grundsatz sind aber doch alle gleich: Sie streben die Harmonie von Pferd und Reiter an.

      Aber ist es nicht so viel schöner? Viel facettenreicher? Jeder kann vom anderen ein Stück abgucken, kann andere Reitweisen versuchen zu verstehen oder lernt die eigene dadurch mehr zu schätzen. Ich finde es ist auch an der Zeit über den Tellerrand zu schauen, sich weiterzubilden und zu lernen. Und am Ende sagt das Pferd welches die beste Methode ist.


      Liebe Grüße
      Geändert von Elly (15.10.2011 um 17:18 Uhr)
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      and the stress that we where under wasn't stress at all
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      - (Paolo Nutini)

    11. #11
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      Avatar von crinblanc
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      Jeder kann vom anderen ein Stück abgucken, kann andere Reitweisen versuchen zu verstehen oder lernt die eigene dadurch mehr zu schätzen. Ich finde es ist auch an der Zeit über den Tellerrand zu schauen, sich weiterzubilden und zu lernen. Und am Ende sagt das Pferd welches die beste Methode ist.
      So erleb ich das eben grad nicht, sondern ein Mords-Rumgezicke zwischen meist weiblichen, hysterischen Wesen, die sich dringend profilieren müssen.
      Und kein anderer im Stall hat auch nur ansatzweise eine Ahnung.

      Mich kotzt die gesamte Reiterszene wirklich grad nur noch an.

      Wenn ich nicht einen eigenen Stall hätte, würd ich die Reiterei/Pferdehaltung wohl aufgeben.

      (... übrigens ist Edward Bach auch nicht allzu alt geworden- von daher würd ich sagen- Pech... )
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    12. #12
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      Avatar von Elly
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      Ja ich kann dich verstehen. Die gibt es immer & überall. Ich versuch trotzdem immer positiv zu denken, alles andere macht einen nur unnötig depressiv ;).

      Ich mach mein Ding, bin aufgeschlossen aber versuche niemals einem Mit(st)reiter zu „bekehrern“ oder gar einen Tipp zu geben. Das kann nur böse enden :P.
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      - (Paolo Nutini)

    13. #13
      Queen of the Flies
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      Avatar von crinblanc
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      Nee, darum geht´s primär nicht.

      Es ist nur so, daß ich und auch Sabine hauptsächlich geholt werden/wurden, wenn irgendwas "repariert" werden muß.

      Wenn man dann teilweise die Hintergründe und Einstellungen mitbekommt, und immer wieder an Engstirnigkeit scheitert (siehe mein Beispiel ganzn oben), ist das unglaublich frustrierend.

      Das ist was ganz anderes als Halle/Stall "mitnutzen" und dabei sein "eigenes Ding" machen. Das ging bei mir jahrelang sogar in einem Nobelstall ganz gut.
      (Hier nicht, aber das ist ne andere Geschichte, wobei die auch wieder viel mit frustrierten, neidischen Zicken zu tun hat ;)
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    14. #14
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      Avatar von Silberfeder
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      Ich war jetzt schon sehr enttäuscht als ich mich mti einem Reitlehrer, der selbst Andalusier und ähnliches besitzt, über Reitweisen unterhielt, weil ich mal wieder Barockunterricht haben will.

      Ich wurde mit einem süffisanten Lächeln begutachtet, und ganz spitzfindig gefragt, was denn Barockreiten sei, und wo der Unterschied läge zum klassisch Englischen.
      Ich erklärte es, so gut ich konnte, wurde weiter belächelt, und mir wurde dann egsagt: Da gibts keinen Unterschied. Die erzählen alle immer viel.

      Ist das die Engstirnigkeit, die man heute so oft trifft, oder pures Unwissen?
      Wie war das denn früher?
      Barockreiten, Westernreiten.. das ist ja nicht alles erst von gestern.

      Das wüsste ich jetzt mal gerne von Euch doch reiferen Häschen.. Wie war das Wissen ob anderer Reitweisen bei den älteren Reitmeistern?
      ~* Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als
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    15. #15
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      Avatar von Elly
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      Es ist nur so, daß ich und auch Sabine hauptsächlich geholt werden/wurden, wenn irgendwas "repariert" werden muß.

      Wenn man dann teilweise die Hintergründe und Einstellungen mitbekommt, und immer wieder an Engstirnigkeit scheitert (siehe mein Beispiel ganzn oben), ist das unglaublich frustrierend.

      Achso... ja das kann ich vollkommen nachvollziehen. Vielleicht besser wenn man auf dem Gebiet das Hobby vom Beruf trennt.



      Ich finde es schwierig zu definieren was klassisch „englisch“, klassisch „deutsch“ ist oder was die französische Reitweise ausmacht. Im Grunde kommt es ja darauf an was der Reiter daraus macht. Aber ein Reitlehrer sollte schon erklären können was seine Reitweise denn nun ausmacht und was sie von der herkömmlichen FN-Reiterei unterscheidet.

      Meiner Meinung nach kann man den größten Unterscheid zwischen der klassischen Ausbildung machen und der Ausbildung nach Francois Baucher, wobei ich die immer als „klassisch“ tituliere. Die FEI richtet sich heute nach dem ersten Prinzip. Siehe Ausbildungsskala; wo es heißt Haltung wird durch die Lektion gegeben. Die zweite Art und Weise rollt das Feld von hinten auf und setzt Haltung voraus, aus der dann die Lektion entsteht. Quasi als Folge daraus.

      Das sind für mich die grundlegenden Unterschiede.


      Aber sah man das „vor unserer Zeit“?
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    16. #16
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      Avatar von crinblanc
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      Aber sah man das „vor unserer Zeit“?
      Ja- die Lehren von Baucher und anderen Klassikern beweisen das doch.;)

      Es waren zwar, genau wie heute, "Exotenausbilder", nur hatten die keine Guru-Status.
      Grad in Paris hatten wir einen Reitlehrer, der am WE unterrichtete und "nebenher" statt Wehrdienst eine Ausbildung in Saumur machte.
      Von daher waren und sind mir viele der neuentdeckten Klassiker so neu nicht.

      Was auch Feders Frage zumindest teilweise beantwortet.
      Es wurd weniger "schubladisiert", auch damals gab´s Idioten und Könner.
      Und- wenn mich jemand so ausbilden kann, daß wiederrum ich irgendwann in der Lage bin, ein Pferd im Rahmen seiner Möglichkeiten korrekt und schonend auszubilden, ist mir sch***egal, was draufsteht.

      Bei der Frage nach "Barockunterricht" würd ich mir jetzt auch spontan eine kostümierte Zahnarztgattin auf einem kandarisierten PRE- (vorsicht-)Hengst vorstellen- und wohl auch erstmal grinsen....
      Geändert von crinblanc (16.10.2011 um 10:59 Uhr)
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    17. #17
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      Avatar von Elly
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      :D da fehlte das „wie“. (Um auf Federes Frage zurück zu kommen.)

      Wie war das Wissen ob anderer Reitweisen bei den älteren Reitmeistern?

      Ja du hattest da wohl den absoluten Jackpot in Paris... Nur leider blieb das Wissen ja vielen Menschen vorenthalten. Gerade in Deutschland. Wenn ich lese welch schlechtes Bild Racinet von der deutschen Reitweise hatte, dann macht mir das schon Angst. Wobei Lehrer wie Egon von Neindorff sicherlich nicht minder „schlecht“ waren.
      (Aber die Franzosen hatten ja seit jeher schon einen etwas übersteigerten Hang zur Selbstdarstellung ;) -wenn ich das mal so sagen darf-)
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