Farbmaushalter, die vor ihrer ersten Vergesellschaftung stehen, haben häufig Angst vor Fehlern. Deshalb möchte ich hier einen kleinen Leitfaden mit Bildern an die Hand geben.
1.) Die richtige Konstellation wählen
Farbmausgruppen können bei verantwortungsbewussten Haltern nur aus Kastraten und Weibchen bestehen. Ob die Entscheidung für reine Weibchen- oder Kastratengruppen fällt oder ob man sich für eine gemischte Gruppe entscheidet, ist dabei egal. Bei gemischten Gruppen sollte man darauf achten, dass mehr Weibchen als Kastraten vorhanden sind. Auch wenn die Kerlchen kastriert sind, machen sie häufig noch Anstalten die Weibchen zu bespringen. Wenn dann ein extremer Kastratenüberschuss herrscht, kann das für die Damen etwas nervig werden.
Vergesellschaftungen mit einander unbekannten Kastraten können mitunter sehr kompliziert verlaufen, besonders dann, wenn noch Weibchen dabei sind.
2.) Die erste Begegnung
Die erste Begegnung sollte stets auf neutralem Grund stattfinden. Hierzu bietet sich die Badewanne an. Es gibt aber auch Halter, die die Mäuse auf dem Esstisch zusammen lassen. Die Gefahr des Herunterspringens ist recht gering, weil Mäuse Höhe abschätzen können. In der Badewanne besteht immer die Gefahr, dass einzelne Mäuse Ausbruchversuche unternehmen. Entgegen häufiger Annahmen sind Mäuse durchaus in der Lage dafür hoch genug zu springen.
Bei der ersten Begegnung sollten nur Futter und Wasser vorhanden sein, Inventar nicht. In der Badewanne kann man ein Handtuch anbieten, damit die Füßchen nicht so kalt werden. Ich bin dazu übergegangen, ein Heizkissen für Nager (Snuggle Safe) in ein Handtuch einzuschlagen und in die Badewanne zu legen.
Nach einiger Zeit sollten sich Kuschelhaufen bilden. Optimalerweise auch zwischen Mäusen, die sich vorher nicht kannten.
Hat man alle Mäuschen mal kuscheln sehen, ist es an der Zeit für
3.) Die gemeine TB-Phase
Für die nächsten 24 Stunden müssen die Mäuse jetzt in eine Transportbox. In die Transportbox wird Einstreu, Futter, Wasser, ein Stückchen Gurke (falls das Wasser zugebuddelt wird) und eventuell Nistmaterial (Klopapier) gegeben. In der Transportbox sind die Mäuse gezwungen, auf engstem Raum zu sitzen. Es entwickelt sich ein Gruppenduft, der für die weitere Vergesellschaftung elementar wichtig ist, weil Mäuse sich nicht als Individuen, sondern als Teil einer Gruppe erkennen.
Wir stellen hier die TB immer in einen größeren Käfig, weil es schon mehrfach passiert ist, dass sich die Mäuse über Nacht aus der engen Transportbox geknabbert haben. Löcher in der TB habe ich immer mit alten Socken gestopft.
4.) Eingeknastete Mäuse
Nach 24 Stunden dürfen die Mäuse samt eingestunkener Einstreu aus der TB in einen Hamsterknast ziehen. Auch hier gibt es kein Inventar. Eventuell wird die Bodenwanne mit Einstreu aufgefüllt, wenn die aus der TB nicht reicht. Es bietet sich an, zwei Hamsterknäste in verschiedenen Größen zur Verfügung zu haben. Erst werden die Mäuse in den Kleineren gesetzt. Sind sie da lieb und streiten (Definition "Streit": s.u.) sie sich nicht, dürfen sie nach 3-7 Tagen (wieder samt Einstreu) in den größeren Knast umziehen. Hier bleiben sie ähnlich lange. Die Zeiten, die sie in den einzelnen Stationen verbleiben, sind immer vom Verhalten der Mäuse abhängig. Setzt man sie größer und es gibt starke Streitereien, müssen sie wieder für mehrere Tage in den kleineren Käfig.
5.) Endkäfig
Sind alle Mäuse für mehrere Tage im größeren Käfig nett zueinander, dürfen sie in den Endkäfig ziehen. Haben dort vorher schon Mäuse gewohnt, ist es wichtig, alle Gerüche mit Essigwasser zu tilgen. Wieder wird die Einstreu aus den Knästen mitgenommen (Gruppenduft!) und mit frischer Einstreu aufgefüllt. Im Endkäfig wird erst nur eine Etage freigegeben, die anderen werden unzugänglich gemacht. Nach und nach (alle 3-7 Tage) kann nun eine Etage freigegeben werden, wenn alle lieb sind. Gibt es Streit, nimmt man die Etage, die zuletzt hinzu gegeben wurde, wieder weg.
Sind alle Etagen freigegeben, kann man Inventar hinzugeben. Jeden Tag sollte nur ein neues Teil angeboten werden. Häuschen und Eierkartons liefern besonders viel Streitpotential, deshalb gibt es die bei uns ganz zum Schluss. Wenn es Streit gibt, nimmt man das letzte Inventarstück wieder weg.
Ist der Käfig komplett eingerichtet, ist die VG vorüber.
WICHTIG: Kleinere Streitereien sind völlig normal. Mäuse müssen die Rangordnung klären. Diese Streitereien sind meist sehr lautstark. Es wird gequietscht und gejagt. Solche Streitereien sollte man nicht unterbinden, weil sie für die Gruppenorganisation wichtig sind.
Ein Eingreifen (Kleinersetzen! Inventar wegnehmen!) ist nur erforderlich, wenn die Streitereien blutig werden, sich Mäuse kugeln, wenn die Streitereien stumm ablaufen, wenn sie sich ausschließlich gegen eine Maus richten, wenn sich die Gruppe in zwei Gruppen spaltet, die nicht mehr im selben Nest schlafen und sich auch sonst aus dem Weg gehen oder streiten.
Geändert von Sina (15.02.2010 um 15:00 Uhr)
Liebe Grüße von Sina
mit Dschingis, Yoko, Hailey, Anni, Ginny, Trüffelchen und Irmela
Hinter der Regenbrücke: Brownie, McFlurry, Bounty, Cookie, Apple, McSundae, Coco, Maja, Vicky und Crispy
Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
Lesezeichen