Nachdem ich die furchtbare Geschichte von Flöckchen gelesen habe, hab ich mir gedacht, mein "Tagebuch" wäre vielleicht für den ein oder anderen hilfreich.
Meine Chinchilladame Gucci (mitlerweile leider verstorben smiley_sad) wurde Mitte/Ende Februar 2009 von ihrer Kameradin übel zugerichtet. Der komplette Rücken war zerbissen und ich hatte schon fast aufgegeben... Eins kann ich aber vorweg sagen: Gucci hat sich durchgekämpft und wir haben die Lähmung nach einigen Höhen und Tiefen in Griff bekommen. Das Tagebuch soll den Leuten, die ein ähnliches Problem haben, Kraft geben, nicht gleich aufzugeben - ich hätte die Entscheidung, Gucci einzuschläfern, fast viel zu früh getroffen!
Donnerstag, 26.02.2009:
Gucci's Bisswunden fangen schon an, zu heilen. Sie bekommt jeden Abend ihre Antibiotika und Schmerzmittel und die Wunden werden mit Betaisadona-Lösung versorgt.
Sie frisst gut und verträgt die Medikamente sehr gut.
Gucci hat bisher 10 Gramm abgenommen - hoffentlich nimmt sie nicht mehr ab.
Was mir heute auffällt: Gucci belastet ihr linkes Hinterbein nicht richtig - wahrscheinlich kommt es von den Schmerzen wegen der Bisswunden.
Freitag, 27.02.2009:
Auch das rechte Bein wird nun nur noch selten benutzt, meistens zieht Gucci ihr Hinterteil aber einfach nur durch die Kraft der Vorderbeine hinterher.
Also packe ich die Kleine wieder ein und fahre zum Tierarzt. Sie wird nochmal von oben bis unten durchgecheckt - keine Brüche o. ä. erkennbar.
Es wird von einer Verletzung des Rückenmarks oder Quetschung der Nervenbahnen durch Flüssigkeitsansammlungen ausgegangen. Um die Schwellung zu lindern, bekommt sie Cortison (und natürlich Antibiotika und Schmerzmittel). Die Tierärztin macht mir keine zu großen Hoffnungen, aber mich einfach von Gucci zu verabschieden, ohne einen Versuch zu starten, kommt für mich nicht in Frage.
Samstag, 28.02.2009:
Die Lähmung der Beine ist heute zwar nicht schlimmer, aber eben auch nicht viel besser geworden.
Nachdem ich den Schock etwas verdaut habe, mache ich mir das erste Mal richtige Gedanken darüber, wie es weitergehen soll. Ein Chinchilla, das seine Hinterbeine nicht benutzen kann - das kann nicht funktionieren und wenn sie wirklich keine Fortschritte machen sollte, werde ich mich von ihr trennen müssen.
Aber dennoch kommt es momentan nicht in Frage, dass Gucci einfach eingeschläfert werden soll.
Sonntag, 01.03.2009:
Juhu! Gucci kann ihre Beine wieder benutzen! Wenn man sie hochnimmt, stampelt sie fleißig mit den Beinchen und sie kann auch wieder etwas laufen - wenn auch nur sehr wackelig. Man sieht ihr an, wie anstrengend es für sie sein muss, ein paar Schritte zu gehen aber sie gibt nicht auf und versucht immer wieder, aufzustehen und loszulaufen.
Die Bisswunden sind schon recht gut verheilt. Nur das verletzte Ohr ist etwas gerötet. Gucci bekommt aber weiter Antibiotika und ich reinige die Wunde regelmäßig, sodass keine größere Entzündung zu erwarten ist.
Die Medikamente werden gut vertragen und Gucci hat auch nicht mehr abgenommen.
Montag, 02.03.2009:
Heute hat sie mit den Beinen glaube ich wieder etwas größere Probleme. Sie bewegt sich weniger, vielleicht mag sie auch nicht mehr?!
Es ist wieder ein Tierarztbesuch angesagt - Cortison nachspritzen. Wie auch beim ersten Termin wegen der Lähmung, hat mir die Tierärztin auch heute keine allzu großen Hoffnungen gemacht. Evtl. ist die Besserung nicht von langer Dauer.
Ich habe mir selbst eine Frist von maximal zwei Wochen gesetzt. Wenn es bis dahin nicht annehmbar ist, will ich ihr da Ganze nicht mehr antun und sie erlösen lassen.
Dienstag, 03.03.2009:
Es ist furchtbar... Heute ists wieder ganz schlimm. Sie kann ihre Beine überhaupt nicht mehr bewegen, so schlimm war's noch nie. Die Beine hängen einfach nur tot runter. Außerdem kommt aus der Wunde am Ohr Eiter und es muss evtl. amputiert werden, da es fast lose an ihrem Kopf hängt..
In der Arbeit werde ich als Tierquälerin hingestellt und man schüttelt nur den Kopf über mich und meine Hoffnung, dass Gucci wieder einigermaßen gesund werden könnte. Ich beschließe, mich heute Abend von ihr zu trennen. Obwohl die Kleine erst seit wenigen Tagen hier ist, macht mich der Gedanke daran verrückt.
Nach der Arbeit setze ich mich an den PC und melde mich in Chinchilla-Foren an, um mein Problem zu schildern. Die Leute dort unterstützen mich und geben mir Kraft und viele nützliche Tips. Dort lese ich auch von einem Chinchilla, bei dem eine Lähmung mit Hilfe von drei Cortisonspritzen ganz gut in Griff bekommen wurde. Ich habe wieder Hoffnung und fahr mit Gucci erneut zum Tierarzt.
Dort bleibt sie über Nacht, damit sie am nächsten Tag in der Tierklinik, in der meine Tierärztin neben der eigenen Praxis arbeitet, nochmal ordentlich durchgecheckt werden kann.
Mittwoch, 04.03.2009:
Die Tierärztin ruft mich mittags in der Arbeit an: das Röntgenbild zeigt nichts Auffälliges. Gucci hat sowohl gestern, als auch heute wieder einige Medikamente bekommen: Cortison, Antibiotika, Schmerzmittel und Vitamine.
Es geht ihr wohl wieder etwas besser. Das eigene Körpergewicht können die Beine noch nicht tragen, wenn man Gucci hochhält, "rudert" sie aber wieder mit den Beinen.
Abends fahre ich wieder zur Praxis, um die kleine Maus zu holen. Wie ich in ihre Box schau, seh ich schon, dass Gucci Männchen machend - ohne sich mit den Vorderbeinen abzustützen - darauf wartet, rausgeholt zu werden
Daheim angekommen, setze ich sie wieder in ihren Käfig. Spät abends sehe ich nochmal nach ihr - Gucci ist von Brett zu Brett gesprungen und hat es sich ganz oben gemütlich gemachtEs sieht gut aus! Ich freu mich riesig!
Donnerstag, 05.03.2009:
Gucci geht es weiterhin sehr gut. Wenn man nicht weiß, dass sie eine Lähmung hinter sich hat, merkt man es auch nicht. Ganz selten schwankt sie wieder ein kleines bisschen aber ich bin mehr als zufrieden mit ihrer Entwicklung. Auch meine Tierärztin ist schon fast verwundert darüber, dass es Gucci jetzt schon um so viel besser geht.
Gucci hat seit der Verletzung insgesamt 10 Gramm abgenommen und das war direkt einen Tag nach der Beiss-Attacke. Die Entzündung am Ohr heilt, es kommt schon fast kein Eiter mehr.
Hoffentlich bleibt es weiterhin so.
Momentan mache ich mir Gedanken darüber, wie bzw. mit welchem Chinchilla ich sie irgendwann - wenn die Wunden komplett verheilt sind - vergesellschaften werde. Da die anderen Chinchillas sicherlich merken, dass sie eine Behinderung hat, habe ich Angst, dass diese die Behinderung als einen Grund ansehen, Gucci zu töten. Ich überlege, nach einem zweiten behinderten Chinchilla zu suchen. Mal sehen...
06.03.09 - 09.03.09:
Nachdem nun nicht mehr so wahnsinnig viel Neues passiert, werde ich künftig nur noch alle paar Tage schreiben.
Gucci geht es sehr gut. Die Wunden heilen gut, die meisten Krusten sind schon abgefallen und auch das Ohr ist nun wieder komplett angewachsen und verheilt.
Die Kleine läuft nun auch wieder abends bei uns auf der Couch bzw. im Wohnzimmer herum, was ihr sehr gut gefallen zu scheint.
Die zehn Gramm, die sie abgenommen hatte, sind locker wieder drauf und auch sonst macht Gucci einen sehr fitten und munteren Eindruck. Mit den Beinen hat sie überhaupt keine Probleme mehr. Ihr liebster Platz im kleinen Käfig, ist auf dem obersten Sitzbrett.
Evtl. werde ich nächste Woche einen neuen Vergesellschaftungsversuch starten und sie in Samson's Gruppe integrieren. Drückt uns die Daumen, dass dieses Mal alles gut geht!
10.03.09 - 14.03.09:
Gucci ist fit wie ein TurnschuhVon den Verletzungen ist größtenteils nichts mehr zu sehen, es wachsen auch schon wieder Haare an den rasierten / gerupften Stellen. Gucci nimmt weiter zu und scheint keinerlei Probleme mehr mit ihren Beinchen zu haben.
Am 13.03. hat sie das erste Mal wieder ein Sandbad in den Käfig bekommen und es auch fleißig genutzt.
Vergesellschaftet habe ich sie noch nicht. Sie fängt lautstark an zu schreien, wenn ein anderes Chin auch nur in ihre Nähe kommt. Die kleine Maus hat Angst vor ihren Artgenossen.
Ihr Käfig wird nun langsam immer näher an Samson's Käfig gestellt. So lernt sie die anderen drei aus sicherer Entfernung kennen und verliert evtl. auch die Angst vor ihnen.
18.03.09:
Gucci wurde vergesellschaftet![]()
Durch die "Käfig-an-Käfig"-Methode hat sie schnell die Angst vor den anderen Chins verloren.
Beim Auslauf der anderen drei (Samson, Chilli und Gina) wurde sie ganz aufgeregt und wollte unbedingt raus zu ihnen. So hab ich sie dann alle vier gepackt und ab in die Transportbox gestecktDa drin war alles ruhig. Gucci war etwas zurückhaltend, hat sich aber nach zwei, drei Stunden auch zu den anderen gesellt.
Nachdem das so gut lief, kamen alle vier in Gucci's (recht kleinen) Käfig. Obwohl sie trotzdem etwas Platz gehabt hätten, sich aus dem Weg zu gehen, haben sich die vier immer ganz fest aneinandergekuschelt. Vor allem Samson hat es Gucci angetan. Da wo er saß, war auch sie - total niedlich![]()
Nach zwei Nächten in dem engen Käfig beschloss ich dann gestern, sie in den großen Käfig zu setzen. Die ersten paar Minuten war Gucci etwas eingeschüchtert. Wenn ein anderes Chin zu ihr kam, fing sie wieder an zu schreien, was aber zum Glück schon nach Kurzem wieder vorbei war. Seitdem springt die kleine Maus in dem Käfig herum, als wär sie noch nie wo anders gewesen
Die drei großen haben sie super akzeptiert, putzen fleißig an ihr herum, fressen und baden zusammen mit ihr und die Kleine weicht nicht mehr von Samson's Seite. Ich denke, sie ist verliebt
Oh, das ist auch ganz miserabel und fies.
Was 2009 nicht alles dramatisches passiert ist!
~* Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als
sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: "Nein!" *~
Tucholsky
www.trensenwunder.de
Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
Lesezeichen